You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Das Schweigen ist eine in der psychoanalytischen Psychotherapie so häufig auftretende Erscheinung, daß es sich kaum lohnte, noch etwas über dessen Bedeutung als Widerstandszeichen anzuführen. In der Literatur ist dies hinlänglich getan worden (siehe Literaturverzeichnis). Bei den chronischen Schweigern, die wir zu einer bestimmten Gruppe von Charakterneurotikern zählen, tauchen hingegen eine Zahl von Übertragungsproblemen auf, die kaum endgültig erforscht sind und eine Reihe von Fragen der Ichpsychologie aufwerfen. Unsere Arbeit bezweckt, einen kasuistischen Beitrag dazu zu liefern. Wir versuchen in unseren Ausführungen, den Ablauf der Übertragung nachträglich darzustellen und theoretische Folgerungen zu ziehen.
Ein achtzehnjähriger Mann, Richard S., hat das Abitur nicht bestanden. Da offenkundig seelische Störungen vorliegen, wird er vom Berufsberater an den Psychoanalytiker überwiesen. Im übrigen rät jener ihm zu, sich erneut auf das Abitur vorzubereiten. Richard S. ist ein kindlich verträumter Mensch, seine Augen blicken tragisch, sein Mund verzieht sich beim Erzählen zu einem schnüffelartigen Lächeln. Er sitzt schief im Zimmer, eine Gewohnheit, die er lange beibehält, er rückt den Stuhl um zwei Meter zurück und schaut vom Analytiker abgewendet zum Fenster hinaus. Er ist offenkundig borniert, unbeweglich und unbelehrbar. Das Gespräch geht zäh. Er erzählt von seinen Selbstmordplänen. Er leidet an Prüfungsängsten und an Lernschwierigkeiten narzißtischer Art. In den Unterrichtsstunden verfällt er in Tagträume. Was ihm am Schulstoff nicht paßt, das lernt er nicht. Bei Verständnisschwierigkeiten zieht er sich gekränkt zurück und deklariert sich als vollkommen unfähig, die mit Hindernissen verbundenen Unluststauungen zu vermeiden. In der Prüfung blieb er ein unbeweglicher stummer Klotz. Er provozierte den Prüfer, gab Antworten, die jenen reizten und ärgerten, sein ganzes Verhalten löste bei den Prüfungen Bestrafungen aus.
Die ersten Stunden vergehen mit der Schilderung