You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Die weltweiten gesellschaftlichen Umschichtungen, wie insbesondere aber die tragischen Erfahrungen, die unsere Generation durch totalen Krieg, Konzentrationslager, Deportationen und organisierten und legalisierten Rassenmord zu machen gezwungen war, haben die Psychiater allenthalben veranlaßt, den Einfluß der Umwelt auf die seelisch-geistigen Affektionen sowohl in pathoplastischer wie auch in pathogenetischer Hinsicht neu zu bedenken. Ein großer Teil des vorliegenden III. Bandes der “Psychiatrie der Gegenwart” ist diesem Anliegen gewidmet. So insbesondere die Abschnitte A. Soziale und praktische Psychiatrie und B. Psychiatrie der Kriegszeit.
Unter A. finden wir einleitend eine gute Übersicht von M. Müller (Bern) “Neue Strömungen in der praktischen Psychiatrie”. Besonderes Gewicht wird auf die baulichen wie organisatorischen Reformen der psychiatrischen Anstalten gelegt, denn auch diese “toten” Faktoren haben einen nicht unerheblichen Einfluß auf “menschliche Kommunikationsmöglichkeiten” und damit auch auf den Verlauf der Geisteskrankheiten. Das Thema “Anstaltswesen” stellt H. Merguet (Lengerich-Westf.) mit großer Erfahrung und Anschaulichkeit dar. Zu Recht werden dabei die so leicht in Vergessenheit geratenden historischen Verdienste eines H. Simon um die Arbeitstherapie, der in den Anstalten Warstein und Gütersloh jahrzehntelang gewirkt hatte, hervorgehoben. P. H. Hoch (New York) vermittelt uns Einblick in den Stand der sozialen Psychiatrie (in engl. Sprache), die er, jede doktrinäre Festlegung vermeidend, definiert als “denjenigen besonderen Zweig der Psychiatrie, der die sozialen Implikationen von verschiedenen psychiatrischen Störungen studiert (“considers”) (S. 9). Hoch beschäftigt sich u. a. mit der Haltung der Gesellschaft gegenüber den Geisteskranken, mit dem Einfluß sozialer Faktoren auf die Hospitalisierung der Alten wie auch der Kinder und der Beziehung zwischen Geisteskranken und sozialen Klassenzugehörigkeiten, wobei vor allem die bekannten Untersuchunge