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Kate Friedlander hat sich 1947 in ihrem Buch: “The psychoanalytical approach to juvenile delinquency” die Frage vorgelegt, woher es kommt, daß trotz Strafrechtsreformen, theoretischen Erkenntnissen und praktischen Experimenten die Tendenz bestehen bleibt, den Rechtsbrecher — auch den kindlichen und jugendlichen — zu strafen, statt ihn durch eine individuell angepaßte Umerziehung zu heilen. Auf den Ergebnissen fußend, zu denen Healy, Burt, Aichhorn und andere gelangten, geht sie vor allem dem Problem der Herausbildung der “latenten Delinquenz” oder des “antisozialen Charakters” in der frühen Kindheit nach. Friedlander versucht, in Abgrenzung gegenüber dem normalen und dem neurotischen Menschen, eine Klassifizierung jugendlicher Rechtsbrecher mit dem Ziel, auf der Basis einer differenzierteren Diagnose differenziertere therapeutische und prophylaktische Möglichkeiten herausarbeiten zu können. Neben sorgfältigen psychoanalytisch orientierten Einzeluntersuchungen fordert Friedlander ebensolche statistische Breiten-Untersuchungen.
Aus einer engen Zusammenarbeit mit Friedlander — durch deren Tod abgebrochen — ist die vorliegende, an Zuverlässigkeit und Exaktheit allen wissenschaftlichen Anforderungen standhaltende, auf klinischen Boden gestellte statistische Untersuchung über kindliche Rechtsbrecher entstanden. Ihr Ziel ist ein ätiologisches: die Prüfung psychoanalytischer und soziologischer Hypothesen über die Entstehung der Jugendkriminalität an Hand von sorgfältig ausgewähltem, statistisch verarbeitetem klinischem Material. Solch kritische Sichtung ist nicht Selbstzweck; sie soll prophylaktische