You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Das Thema dieser Arbeit ist im Titel bereits angedeutet. Analytische Technik und Arbeitsweisen werden 21 Jahre nach Abschluß einer Behandlung geprüft, um etwaige Veränderungen festzustellen, die sich in unserer Beurteilung und unseren Kenntnissen über Hysterie und Psychose ergeben haben. Die ursprüngliche Arbeit wurde 1938 in London vorgetragen, von der Veröffentlichung wurde damals aus Gründen der Diskretion abgesehen. Nach 21 Jahren meldete sich die Patientin wieder in sehr befriedigendem Gesundheitszustand. Es schien lohnend, einige Resultate, die sich daraus nachträglich ergaben, den heutigen Kollegen zur Beobachtung vorzulegen. Das charakteristische Bild der Hysterie soll gezeigt werden, wie wir es damals sahen und wie wir es heute sehen.
Die junge Patientin — ich nenne sie Lily —, deren Analyse ich im November 1936 begann, kurz nach meiner Einwanderung nach England, war damals 17½ Jahre alt.
Der Vater der Patientin war eine in Universitäts- und kirchlichen Kreisen höchst angesehene Persönlichkeit.
Als Einführung werde ich die Gründe nennen, aus denen Lily zu mir geschickt wurde. Ich hatte den Wunsch, einen Fall zu behandeln, der sich dazu eignete, eine damals in London ausgearbeitete Methode anzuwenden, die von der mir geläufigen, in Wien und Berlin gelehrten, in verschiedener Hinsicht abwich. Die Schwere der seelischen Erkrankung dieses Mädchens rechtfertigte einen solchen Versuch. Für die Familie war maßgebend, daß die Position des Vaters durch die Behandlung keiner Störung ausgesetzt wurde, da ich mit Kreisen, in denen dieser Fall hätte Aufsehen erregen können, noch keine Berührung hatte. Der Widerstand der Eltern, von der Psychoanalyse her etwas für die Tochter zu versuchen, war daher geringer, als es ihren sonstigen Prinzipien entsprochen hätte. Lily wurde in die Analyse geschickt, als würde sie in eine ferne Gegend versetzt: Ausländer, Agnostiker, Juden, Psycho-Analytiker waren den Eltern ein ferner Begriff. Diese Tatsache hat später Lilys Loslösung von der