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Vor Jahren hat Kurt Schneider im Hinblick auf einige damals erschienene Arbeiten von Straus und von Gebsattels geschrieben, niemand werde sich „der Einsicht verschließen, daß hier Neues in einer ungewöhnlich geistvollen Weise gesehen ist und gesagt wird. Dieser konstruktiv genetischen Betrachtung scheinen sich in der Tat Erklärungen aufzutun, die bisher verschlossen waren. Andererseits kann man die Gefahren dieser Methode nicht verkennen. Sie hat für den klinisch Erfahrenen doch nur ganz spärliche Stützen in dem Erleben der Kranken selbst und ist so kaum mehr eine psychologische Methode. Es handelt sich letzten Endes um eine philosophische Deutung, die zwar die psychoanalytische an Tiefe und Originalität übertrifft, deren Ergebnisse aber auch durch empirische Untersuchungen ebensowenig beweisbar sind“2. Man kann nicht sagen, daß diese kritische, ineins anerkennende und verwerfende Charakterisierung das abschließende Wort oder gewissermaßen die Grabinschrift einer kurzen Episode in der Psychopathologie geworden sei; denn die vor dreißig Jahren aufgekommene „daseinsanalytisch-anthropologische“ Betrachtungsweise — wie wir sie unverbindlich nennen wollen — hat, nicht anders übrigens wie die Psychoanalyse, ihre Lebendigkeit bewahrt. Das dankt sie in erster Linie den Forschungen Ludwig Binswangers. Was aber im Rückblick auf die zitierten Sätze Schneiders festgehalten werden muß, ist dies, daß die darin geäußerten Vorwürfe — philosophische Deutung, empirisch nicht beweisbar, Preisgabe der psychologischen, auf das Erleben abstellenden Methode — bis auf den heutigen Tag unerörtert geblieben oder doch nicht ausreichend geklärt worden sind. Daher überrascht es auch nicht, daß der Einwand der mangelnden empirischen Verifizierbarkeit unlängst wiederum von Conrad — vor allem bezüglich der lebensgeschichtlichen Wahninterpretation — erhoben wurde. Binswanger könne mit seiner daseinsanalytischen Auslegung „nicht beweisen, recht zu haben, niemand kann aber auch den