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Der psychoanalytisch wie philosophisch gebildete französische Psychiater Laplanche hat die pathographische Hölderlin-Forschung um eine subtile Studie bereichert. Die Lektüre verlangt vom Leser einen die Disziplinen Psychopathologie urd Psychoanalyse, Philosophie und Literaturhistorie umfassenden Sachverstand. Bei den früheren Pathographen des Dichters (Lange, Jaspers, Hellingrath u. a.) handelte es sich im wesentlichen um die Frage: Bricht die Psychose als fremdartiger Prozeß in die schöpferische Person Hölderlins ein, oder sind Krankheit und Werk eine untrennbare Einheit? Der Verf. weist für den Lebensabschnitt von 1784–1800 überzeugend nach, daß die Entwicklung der Psychose und die künstlerische Vollendung im Werk einander parallel gehen. Nachdem Rosen u. a. die Bedeutung der Mutter in den Anamnesen der Schizophrenen herausgestellt hatte (Regression bis zur Nursery), studiert Laplanche die Objektbeziehung des Kranken in Bezug auf den Vater. Hölderlin verlor seinen leiblichen Vater in der frühen Kindheit, seinen verehrten und geliebten Stiefvater in den Jugendjahren. Auf der Suche nach geistiger und künstlerischer Integrität wird ihm Schiller zur Vater-Gestalt. Die Bindung an Schiller blieb immer ambivalent. Es ist für Hölderlins Eros sowohl zu den männlichen wie weiblichen Liebesobjekten (Schiller, Diotima-Suzette Gontard) bezeichnend, daß er vom Gefühl der Minderwertigkeit, ja Nichtigkeit geprägt war. Die erste Krise der Krankheit bricht in Jena 1795 aus. Während dieser “Depression von Jena” verläßt er fluchtartig die Stadt und damit Schiller. Nähe und Ferne dieses mächtigen Beschützers sind ihm in gleicher Weise unerträglich. Matussek hat auf diese Oscillation den Liebesobjekten gegenüber unmittelbar vor Ausbruch der Psychose besonders hingewiesen. Ein Freund schildert ihn zu dieser Zeit als “lebendig Toten”. Hölderlin selbst nennt sich später “ein altes Kind”. In den Jahren bis 1800, vor allem während des Homburger Aufenthaltes nach der Trennung von Suzette Gon