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Unter “einfacher Psychotherapie”, die der Verf. zu praktizieren vorschlägt, versteht er etwas, das für den hauptberuflichen
Psychotherapeuten zu den bisher ungeklärtesten methodischen und therapeutischen Problemen gehört: die Kurztherapie mit einer Behandlungsstunde pro Woche. Auffallend ist auch der Optimismus, mit dem der Verf. das so heikle Thema einer psychotherapeutischen Vorbildung des Hausarztes behandelt, wenn er schreibt, daß es genüge, die ersten Behandlungsversuche bei einem älteren, erfahrenen Kollegen zu kontrollieren. Allerdings weist er auch darauf hin, daß dieses Behandlungsverfahren nur bei relativ gesunden und ausreichend angepaßten Patienten angewendet werden könne, und er informiert über die Reichweite, Grenzen und Gegenindikationen. Sein kurzer Abriß der Entwicklungspsychologie ist instruktiv und bringt für den Hausarzt viel neues, teilweise psychoanalytisches Material — wieweit dieser es aber affektiv annehmen kann, wird sich erweisen müssen.
Als Ziel in der Therapie geht es dem Verf. weniger um Symptomheilung als um Reifung der Persönlichkeit. Bezüglich der Behandlungstechnik könnte man zusammenfassen: Übertragungsdeutungen werden vermieden, Verhaltensdeutungen werden gegeben mit Hinweisen auf inhibierende Gegenbesetzungen und Fixierungen an infantile Über-Ich-Verbote; außerdem ermunternder Zuspruch, selbst auch etwas zu wagen, latent gebliebene Lebensmöglichkeiten zu mobilisieren.
Als die “unbedachte Philosophie” (Seite 35), der der Verf. sich verbunden fühlt, tritt in der Hauptsache die Daseinsanalyse in Erscheinung, aber der Leser findet auch psychoanalytische Ideen im Hintergrund. Die Kritik des Verf. an der Psychoanalyse hat wenig Überzeugungskraft, teilweise ist seine Taktik ungeschickt, oder aber er geht von falschen Voraussetzungen aus. S. Freud, dem zwar die Psychotherapie ein brauchbares Behandlungsinstrument i verdanke, habe sich mit seinen Nachfolgern bezüglich der Theoriebildung in “immer größere Schwierigkeiten” gebracht, doch is