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“Die Abnahme der nervösen Erkrankungen in der UdSSR kann, wie in der Zusammenfassung erwähnt, mit mehreren
Faktoren, die die sozialistische Produktionsweise hervorgebracht hat, in Verbindung gebracht werden … Man könnte sich deshalb fragen, ob nicht die Menschen in der sozialistischen Gesellschaft glücklicher geworden sind und dadurch psychisch und körperlich gesünder und länger leben können” (Seite 105). Diese naiv-tendenziöse Sentenz aus der Schlußdiskussion der statistischen Arbeit könnte einen verleiten, das Buch als wissenschaftlich irrelevant ohne gründliche Lektüre aus der Hand zu legen. Das wäre verständlich, jedoch bedauerlich, da die Arbeit eine umfangreiche Materialsammlung (547 Titel und 30 offizielle Statistiken) zum Thema Verbreitung “nervöser Erkrankungen” vom 18ten Jahrhundert bis heute darstellt.
Der Autor — ein Norweger — vertritt drei Hypothesen, die er durch die Interpretation der Literatur und der statistischen Sammelberichte zu verifizieren trachtet.
Die Zahl der “nervösen Erkrankungen” (ein Sammelbegriff für die in Statistiken des 18ten und 19ten Jahrhunderts nicht getrennten Schwachsinnigen, funktionellen Psychosen, organischen Zustandsbilder und auch Neurosen) ist mit zunehmender Zivilisation größer geworden. Dies versucht der Autor sowohl im historischen Rückblick (z. B. Vergleich der Ziffern der Anstaltserstaufnahmen innerhalb großer Zeiträume) als auch im präsenten Querschnitt (Vergleich der “nervösen Krankheitsziffern” zwischen Ländern höherer und niederer Zivilisation) zu belegen. Der Begriff “Zivilisation” ist vom Autor entsprechend dem deutschen Sprachgebrauch als vorwiegend sozio-ökonomische Erscheinungen genommen.
Den Einwand, daß verbesserte diagnostische und therapeutische Möglichkeiten sowie eine sich wandelnde Einstellung zur psychischen Auffälligkeit eine zureichende Erklärung für die Zunahme sein könnten, versucht der Autor zu entkräften.
Die “nervösen Erkrankungen” kommen am häufigsten in Ländern hochkapitalistischer Wirtschaft