You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Das Thema dieses Symposions — Psychotherapie durch den praktischen Arzt — ist ein ziemlich umstrittenes; wir müssen infolgedessen darauf gefaßt sein, im Laufe der Diskussion sehr verschiedene Meinungen zu hören. Das ist indessen ganz in Ordnung, denn jede Lösung, die man für ein Grundproblem einer Wissenschaft — und um ein solches handelt es sich bei unserem heutigen Thema — vorschlägt, muß einer sorgfältigen Kritik unterzogen werden.
Beginnen wir mit demjenigen Aspekt unseres Gebietes, über den Übereinstimmung besteht. Wir sind uns alle darüber einig, daß jede Therapie rational und so weit wie möglich nachprüfbar sein sollte. Was verstehen wir nun unter einer rationalen Therapie? Soweit ich sehe, bedeutet rationale Therapie, wie sie heute an den Universitätskliniken gelehrt wird, eine Technik, die mindestens einem der folgenden drei Ziele nahezukommen bestrebt ist:
Durch eine rationale Therapie soll die Ursache beseitigt werden, die man als für den pathologischen Zustand verantwortlich betrachtet; zugleich hofft man, daß die restitutiven Kräfte des Organismus stark genug sein werden, den Normalzustand wiederherzustellen. Dafür gibt es viele Beispiele: Man gibt Antibiotika, um bei einer Infektion das Wachstum der eingedrungenen Mikroorganismen zu hemmen oder diese sogar abzutöten; man fixiert einen gebrochenen Knochen in der richtigen Lage usw. Alle diese Methoden zielen darauf hin, günstige Bedingungen für die restitutiven Kräfte des Organismus zu schaffen, so daß sie wirksam werden können.
Das erkrankte Organ wird entfernt, in der Hoffnung, daß der übrige Organismus die Verletzung überleben und nach Vernarbung der Wunde die Gesundheit wiedererlangen wird. Zu dieser Kategorie gehören die meisten chirurgischen Operationen, wie Appendektomie, partielle Gastrektomie, radikale Mastektomie usw.
Die Therapie hat das Ziel, dem Körper zu helfen, besser mit den pathogenen Noxen fertigzuwerden. Hierzu gehören die meisten medikamentösen Behandlungen, z. B. die Digitalis-Medikati