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Bei der Bedeutung, der aber gleichzeitig noch bestehenden allgemeinen wie speziellen — pädagogischen wie ärztlichen — Unkenntnis über den Begriff der Kinderpsychotherapie ist es verdienstvoll, von einer erfahrenen und bekannten Kindertherapeutin der Zulligerschen Arbeitsrichtung mit einem klar und allgemeinverständlich geschriebenen Buch einen Einblick in ihre „Werkstatt“ zu erhalten.
Psychotherapie ist kein Makel mehr für absonderliche Kinder. Jedes gesunde, insbesondere sensible, differenzierte Kind kann einmal in Schwierigkeiten geraten, die mit seinen Reifungskrisen oder unbewältigten Milieuproblemen zusammenhängen und eine psychotherapeutische Hilfe erfordern. Die eingehenden Verlaufsschilderungen von Kinderbehandlungen zeigen, wie wichtig es ist, im Rahmen der Therapie die Eigenständigkeit kindlichen Denkens und Erlebens anzunehmen. Gerade die drei ständig nebeneinander zu handhabenden Tätigkeiten des Kindertherapeuten, nämlich das magische, praktische und theoretische Denken, erfordern einen besonders intensiven Einsatz, sowie eine spezifische Begabung zum Beruf des Kinderpsychotherapeuten. Die Lösung neurotischer Fixierungen und damit die Befreiung des Kindes von alten Ängsten, wie allgemein seine Ich-Stärkung sind die wesentlichen Ziele der kinderanalytischen Behandlung.
So überzeugend für den Laien die Heilungserfolge dargestellt werden, zeigt Verf. am Beispiel der kindlichen Verwahrlosung doch auch die Grenzen einer Kindertherapie bzw. die Notwendigkeit einer Frühbehandlung dieser Kinder. Der bisweilen notwendige intensive Einsatz in der Kindertherapie ist demjenigen in der analytischen Psychosentherapie durchaus gleichzusetzen. Die Schrift ist geeignet, der Kinderpsychotherapie auch unter den bisher skeptisch Eingestellten neue Freunde zu gewinnen.