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Verf., Leiter einer größeren kinderpsychiatrischen Ambulanz und Klinik, berichtet über eine zehnjährige Erfahrung im Umgang mit schwererziehbaren Kindern. Er sieht die Schwererziehbarkeit vorwiegend als ein sozialärztliches Problem und führt es ätiologisch im Wesentlichen auf Milieuschäden (familiäre Situation, Fehlerziehung, Umwelteinwirkungen) zurück. Nur ein geringerer Teil sei exogen-hirnorganisch (Geburtstrauma, Encephalopathie usw.) bzw. endogen-konstitutionell (Endokrinopathie u. a.) bedingt. Nach Ansicht des Verf. spielt die Psychogenese bei der Ätiologie der Schwererziehbarkeit eine dominierende Rolle, was er mit Beispielen der unvollständigen Familie, der geschiedenen Ehe und einer Schulproblematik des Kindes belegt. Verf. geht ausführlich auf den von ihm schon vor Jähren geprägten Begriff des Syndroms der Bindungslosigkeit ein, mit der Symptomentrias des Lügens, Stehlens und Streunens (Schulschwänzens), welches sich speziell bei der Beurteilung der Schwererziehbarkeit und latenten Verwahrlosung bewährt hat. Mit einer phänomenologischen Gliederung der verschiedenen Formen der Schwererziehbarkeit — das trotzige, geltungssüchtige, aggressive, hyperthyme, lügnerische, ängstliche, herrschsüchtige Kind usw. — gibt Verf. eine lediglich beschreibende Klassifizierung im Sinne des Psychopathenschemas von Kurt Schneider. Verf. sieht, ohne Berücksichtigung bekannter neurosenpsychologischer Theorien, lediglich eine kontinuierliche Entwicklung von der Schwererziehbarkeit über die Präneurose zur Neurose, bei der das Kind nur noch unvollkommen bzw. gar nicht mehr stärkere innere Spannungen steuern kann. Mit dieser Simplifizierung des Neuroseproblems wird Verf. kaum der Vielschichtigkeit kindlicher Neurosen gerecht. Es mag auch nicht einleuchten, daß in einer vierten Gruppe von Organneurosen das Bettnässerkind angeführt wird, ohne daß Verf. zu dessen charakterneurotischer Veränderung bzw. dessen sich oft erst sekundär entwickelnder Schwererziehbarkeit Stellung nimmt. B