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Malerei, Plastik und Literatur sind bereits jahrtausendelang erfüllt von Dokumenten zu einer Soziologie der Fettsucht. Auch in Folklore, Brauchtum, Sprichwörtern und Redewendungen der verschiedensten Kulturkreise kommen treffende Beobachtungen über die Verknüpfungen zwischen gesellschaftlichen Bedingungen und der Fettsucht zum Ausdruck. Eine wissenschaftliche Bearbeitung des Fettsuchtproblems mit den Denkmodellen und Methoden der Soziologie wurde dagegen erst in den letzten Jahren begonnen. Trotzdem läßt sich schon jetzt sagen, daß die Soziologie mit ihren Schwesterwissenschaften Kulturanthropologie und Sozialpsychologie nicht nur mit einigen allgemein interessierenden Aspekten zur Klärung des Fettsuchtproblems beitragen wird, sondern daß sie eines Tages wahrscheinlich ebenso gewichtige Hypothesen und Ergebnisse zur Fettsuchtgenese vorlegen wird wie die Pathophysiologie und die Psychosomatik.
Im Rahmen der medizinischen Phänomene, die eine soziologische Deutung herausfordern, nimmt die Fettsucht eine Sonderstellung ein, Sie ist offenkundig und durch die Betrachtung eines anderen Menschen einfach festzustellen, so daß allein Andersartigkeit im Körperbau eines Fettsüchtigen viele Kulturen zu einer Auseinandersetzung mit diesem eigenartigen Phänomen bringt. Diese Auseinandersetzung tritt schon in Erscheinung, wenn man sich die Abbildungen fettsüchtiger Personen in den Bildern und Plastiken aus der menschlichen Frühgeschichte betrachtet. Es ist wohl eine zutreffende Vermutung, daß in der Frühgeschichte Abbildungen von Mensch und Tier eine symbolische bzw. eine magisch-religiöse Bedeutung gehabt haben. Der heutige Forscher pflegt die Darstellung fettsüchtiger Frauen durch Völker, von denen uns nichts weiter bekannt ist als ihre Kunst, als Fruchtbarkeitssymbole zu interpretieren. Das gilt besonders für die vielen als „Venus“ bezeichneten altsteinzeitlichen Figuren und Malereien. Ob diese Interpretation zutreffend ist, läßt sich nicht sagen. Es ist aber sicher nicht übertri