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Anfangen möchte ich mit einem Erlebnis, das ich als junger Arzt hatte:
In die chirurgische Aufnahmestation des Hospitals kam ein Junge von dreizehn Jahren mit einer unbedeutenden Verletzung. Er war groß und schwer, das Gesicht kleinkindlich, die Züge in Fett beinahe verborgen. Er weinte wie ein Säugling und war zugleich böse, als ob die ganze Welt ihm unrecht getan hätte. Mit ihm war die Mutter, voller Bekümmernis. Sie überwachte genau die Schritte des Knaben. Hin und wieder wurde jedoch auch sie böse, und die beiden schwangen in Stimmung und Affekt hin und her zwischen infantilem Liebkosen und kindlicher Zänkerei. Es bestand eine offenbare Nichtübereinstimmung zwischen der Verletzung des Jungen und der Reaktion der Mutter und des Kindes.
Die Behandlung der kleinen Verletzung war bald überstanden. Es blieb die Frage übrig: Warum war der Knabe so außerordentlich fett? Das nachfolgende Gespräch und die weitere Untersuchung zeigten einen typischen Fall psychogener Fettsucht, wie sie von Hilde Bruch beschrieben ist.
Der Ausgangspunkt für Hilde Bruch war das Erstaunen darüber, daß sie, als sie 1934 nach den USA kam, so viele fette Kinder fand. Als ausgebildete Kinderärztin begann sie eine Reihe von Untersuchungen über die somatischen Eigentümlichkeiten von möglicher ätiologischer Bedeutung, über den Stoffwechsel, das Wachstum usw. Alle diese Befunde waren negativ. Positiv war aber immer die Kalorienbilanz. Obwohl Mütter und Kinder es verneinten, zeigte sich immer, daß die fetten Kinder sehr viel aßen. Die Fettsucht war kein physiologisches Rätsel. Zugleich fielen psychologische Eigentümlichkeiten in die Augen. Sowohl die Kinder als auch ihre Familien, besonders die Mütter, waren psychologisch auffallend. Die Hauptfrage war jetzt: Warum essen die Kinder so viel, daß sie fett werden, und wie ist das Verhältnis zwischen dem Vielessen und den psychopathologischen Charakteristika? Der Schwerpunkt der Untersuchungen wurde von den endokrin-somatischen auf die psychosomatischen Asp