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Als Magersucht (Sucht im Sinne von Siechtum, von Leiden) wird eine pathologische Magerkeit bei verschiedenen Grundkrankheiten bezeichnet. Durch eine große Zahl von Veröffentlichungen zwischen 1920 und 1950, sowie durch eindrucksvolle Abbildungen extremer Kachexien wurde die Magersucht im ärztlichen Denken ätiologisch vor allem mit hypophysär-diencephaler Insuffizienz verknüpft. Dafür, daß diese Auffassung der Vergangenheit angehört, spricht folgendes: Die gleiche Abbildung, die 1941 im Handbuch der Inneren Medizin als Simmondssche Kachexie gezeigt wurde, konnte 1954 von Bahner zur Demonstration eines typischen Falles von psychogener Magersucht, von Anorexia nervosa, benützt werden. Das Original befindet sich in einer Arbeit von W. C. Meyer1. Gerade solche Abbildungen sind es, die sich im ärztlichen Unbewußten verankert und mit der Hypophyse assoziiert haben. Viele Ärzte werden angesichts eines magersüchtigen Patienten einen ähnlichen Eindruck gewinnen wie Morton, der 1698 erstmals psychosomatische Aspekte der Magersucht beschrieb. Wenn sich auch Mortons psychosomatische Auffassung auf die Feststellung beschränkte, die Krankheit habe nach vielen Sorgen und seelischen Leiden begonnen, so verdient seine treffliche Beobachtung erwähnt zu werden. Dieser Arzt sagte u. a., er habe noch niemals einen derartig marantischen Patienten, einem von Haut überzogenen Skelett gleichend, noch lebend in seiner Praxis gesehen.
Unter den Magersuchten kommt jener Form eine besondere praktische und theoretische Bedeutung zu, die als Pubertätsmagersucht bzw. auch endogene oder psychogene Magersucht bezeichnet wird. Im anglo-amerikanischen Schrifttum heißt dasselbe Syndrom „Anorexia nervosa“, und diese Bezeichnung hat sich auch bei uns eingebürgert.
Wir haben in der Anorexia nervosa ein typisches Syndrom vor uns, das folgende Merkmale aufweist:
Die Erkrankung tritt vorwiegend bei jungen Mädchen in der Pubertät und Nachpubertät auf.
Die Nahrungsaufnahme wird aus seelischen Gründen eingeschränkt