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Die zur Diskussion stehenden Syndrome von Fettsucht und Magersucht, psychogener Adipositas und Anorexia nervosa, Hyperorexie (Tolstrup) und Anorexie, kann man heutzutage zu den psychosomatischen Krankheiten in engerem Sinne rechnen. Wir nennen diese Krankheiten oder Syndrome „Psychosomatosen“. Sie stellen funktionelle Disharmonien dar, die mehr oder weniger reversible morphologische Veränderungen im Körper zur Folge haben. Diese Veränderungen werden als Endresultat chronischer psychischer Spannungen und Konflikte betrachtet. Die somatischen Symptome sind dabei das Prägnanteste des Syndroms, dessen rein psychische und psychomotorische Aspekte stets weniger auffallend sind.
Die Patienten, die an Psychosomatosen erkranken, haben gemeinsam, daß sie auf die Außenwelt so lange wie möglich den Eindruck von Normalität machen wollen. Meistens sind sie Neurotiker oder im neurotischen Sinne gestört. Das ist nicht nur psychiatrisch sondern auch testpsychologisch genügend bewiesen worden. Aber diese Neurotiker unterscheiden sich von den Psychoneurotikern und Organneurotikern dadurch, daß sie in ihren oberflächlichen mitmenschlichen Beziehungen elastischer und besser adaptiert sind. Ihre Pseudonormalität ist hauptsächlich auf ihre größere Soziabilität gegründet. Die Patienten wollen nicht als nervös gelten, sie verleugnen, verdrängen oder projizieren ihre Konflikte in mehr oder weniger spezifischer Weise; und wenn Thomä in Beziehung auf die anorektischen Mädchen sagt: „Sie wollen nicht wissen“, haben wir eine spezielle Form eines Abwehrvorgangs vor uns, wie man sie im allgemeinen bei den psychosomatischen Kranken findet.
Ein anderes gemeinsames Merkmal der Psychosomatosen ist, daß die Patienten in ihrer Persönlichkeit stark ausgeprägte anale Charakterzüge haben. Obwohl die psychosomatischen Patienten bisweilen auch psychästhenisch oder zwangsneurotisch reagieren können, kommt es doch selten zu ausgeprägten klinischen Bildern von Psychasthenie oder Zwangsneurose. Die analen Charakte