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Der Kranke mit psychosomatischen Symptomen hat einen starken Widerstand gegen psychoanalytische Einsicht, besonders wenn seine physischen Symptome einer Deutung unterzogen werden. Er ‚denkt‘ gewissermaßen in körperlicher Sprache und setzt sie nur unter Schwierigkeiten in eine geistige um. Das kann man auch so ausdrücken: Anstelle von Gründen oder Motiven denkt er in Ursachen.
Eine Ur-sache ist etwas ‚Sachliches‘. Der Begriff der Ursache, causa, war früher ein viel weiterer. In Anlehnung an Aristoteles unterschied die Scholastik vier verschiedene Ursachen (causae). Die Naturwissenschaft, wie Heisenberg1 betonte, hat diesen Begriff eingeengt, so daß nur noch eine Ur-sache (causa efficiens) übriggeblieben ist: die direkte Einwirkung eines Objektes auf ein anderes. Ein weiteres Charakteristikum des Kausalbegriffes des 19. Jahrhunderts ist sein Determinismus: eine bestimmte Ursache hat eine bestimmte Wirkung, so daß ursächliche Zusammenhänge bestimmt und voraussagbar sind. Obwohl im atomaren Geschehen dieser strenge Determinismus von der modernen Physik aufgegeben worden ist, liegt er doch dem naiven Denken im alltäglichen Leben zugrunde.
Kausaler Determinismus ist die wissenschaftliche Grundlage der somatischen Medizin.
Kürzlich sah ich einen Patienten mit Verwirrungszuständen; er war so verwirrt, daß er sein eigenes Haus nicht mehr finden konnte. Dieser Zustand dauerte ein bis zwei Stunden an. Nach ihrem Abklingen war der Patient wieder vollkommen normal. Es handelte sich um einen Mann von etwa 50 Jahren, der sehr unkompliziert und wenig emotionell veranlagt war. Von Anfang an war ich davon überzeugt, daß es sich bei diesem Kranken um keinen psychiatrischen Fall handelte. Ein Neurologe dachte wegen der Witzelsucht des Patienten an einen Stirnhirntumor, aber diese Diagnose erklärte nicht die plötzlichen und vorübergehenden Anfälle. Schließlich wurde die Diagnose gestellt, die die Operation bestätigte: Ein Pankreastumor der Langerhansschen Inseln, welcher zeitweise Hypoglyk