You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Im allgemeinen sind wir Psychotherapeuten wie auch die Eltern und Lehrer von Jugendlichen geneigt, die Pubertät wie ein Gewitter an uns vorüberziehen zu lassen und auf eine ruhigere Periode zu warten, bevor wir uns den Jugendlichen wieder nähern und es wagen, eine Psychotherapie zu beginnen. Da jedoch in dieser Entwicklungsphase Entscheidungen gefällt werden können, die später nicht mehr rückgängig zu machen sind, ist eine differenziertere Erkenntnis dieser in sich eigentümlichen Übergangsperiode gewiß von größter Bedeutung.
Wenn wir die Pubertät eine Übergangsphase zwischen Kindheit und Erwachsensein nennen, sind damit schon die wichtigsten Konfliktsituationen angesprochen. In ihr pflegen die frühkindlichen ödipalen Probleme in erneuter Intensität aufzutreten, während andererseits von dem Jugendlichen erwartet wird, daß er sich von der Familie zu lösen beginnt. Aber die Pubertät ist mehr als eine Wiederholung frühkindlicher ödipaler Problematik und mehr als das Wiederauftauchen früherer ungelöster sexueller und aggressiver Konflikte. Die Wünsche und Strebungen der Pubertierenden sind anders als die eines Kleinkindes, mögen sie auch noch so viel Ähnlichkeiten aufweisen. Die Beziehung des Jugendlichen zu seinen Eltern ist nicht nur durch die Reaktivierung seiner ödipalen Probleme so schwierig, sondern auch, weil er Angst vor dem Erwachsenwerden und vor der Außenwelt hat und glaubt, den an ihn gestellten Anforderungen nicht gewachsen zu sein. Er zieht sich oft in den Schoß der Familie zurück, um der Notwendigkeit aus dem Wege zu gehen, sich in der Welt zu behaupten und zu konkurrieren. Zur gleichen Zeit und in gleicher Stärke besteht jedoch der progressive Wunsch, sich von der Familie zu lösen und in der äußeren Welt bestehen zu können. Diese sich widersprechenden Strebungen machen die Pubertät nicht nur für den Pubertierenden selber, sondern auch für seine Eltern und Lehrer zu einer Periode größter Spannungen. Sie wissen im allgemeinen nicht, ob ihnen mehr an einem er