You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Mit den Beiträgen von Dr. J. Lampl-de Groot und Dr. J. A. Arlow veröffentlichen wir die Grundlagen für die Diskussion im Rahmen eines ganztägigen Symposions „Symptombildung und Charakterbildung“ auf dem 23. Internationalen Kongreß für Psychoanalyse in Stockholm, 28. Juli bis 1. August 1963.
Es scheint fast unmöglich, dieses überaus weitgespannte Thema in einem einzigen Vortrag abzuhandeln. Ich beabsichtige nicht, mich auf eine bestimmte klinische Konstellation zu konzentrieren. Abgesehen von theoretischen Überlegungen steht dem auch eine praktische Erwägung entgegen, nämlich daß wir bei unseren Patienten fast niemals auf eine „einfache“ Neurose treffen. Ich will daher versuchen, einige wenige Aspekte dieses allgemeinen Themas darzustellen. Auch werde ich nicht eine systematische Darstellung geben, und um meine Ansichten zu verdeutlichen, muß ich manche Themen berühren, die nicht direkt zum Titel des Symposiums gehören.
Freud begann seine psychologischen Forschungen an Hysterikern. Aber es wurde bald deutlich, daß die meisten Patienten eine Mischung von Symptomen aufweisen, die zu verschiedenen neurotischen Krankheitsbildern gehören, etwa eine Kombination hysterischer und zwanghafter Züge, phobischer und depressiver Formen. Freud entdeckte am Grunde einer Zwangsneurose eine Kindheitsneurose des hysterischen Typs und eine enge Beziehung zwischen den Symptomen der Konversionshysterie und der Angsthysterie (oder Phobie), wie auch zwischen denen der Phobien und der Zwangsneurose. Ferner findet man in einer Anzahl von Fällcn, die man als vorwiegend hysterische bezeichnen würde, Charakterzüge ausgesprochen zwangsneurotischen Ursprungs, und auch das Umgekehrte kommt vor.
Außerdem müssen wir beobachten, daß viele Patienten überhaupt nicht in eine der neurotischen Kategorien eingeordnet werden können. Sie zeigen die verschiedensten Störungen, Symptome, Hemmungen, depressive Zustände usw., die wir gewöhnlich mit „neurotische Störungen“ bezeichnen, ganz zu schweigen von