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Non omnis moriar multaque pars mei Vitabit libitinaiti: usque ego postera Crescam laude recens2.
Horaz sang ihn vor zwei Jahrtausenden: den Gesang der Menschheit schlechthin. Was der römische Dichter zu jener Zeit ausdrückte, stellt letzten Endes den heißesten Wunsch und das tiefste Verlangen jedes Menschen dar — eine leidenschaftliche Sehnsucht, die man in rituellen und religiösen Verheißungen, in Mythen und Sagen beobachten kann. Aufzeichnungen aus dem Altertum, Gepflogenheiten der Primitiven, heutige Begräbnisgebräuche, aber gleicherweise unsere Gefühle dem Tode und dem Sterben gegenüber helfen uns zum Verständnis der inbrünstigen Hoffnung des Menschen auf ein Weiterleben, auf Unzerstörbarkeit, auf das, was Breasted (2) so treffend den „beharrlichen, ja leidenschaftlichen Protest gegen den Tod“ nannte.
Während der zivilisierte Mensch — gleichgültig, ob er an eine Auferstehung und ein Weiterleben glaubt oder nicht — den Tod als die natürliche Folge der irdischen Existenz ansieht, als ein dem unabänderlichen Wesen des Lebendigen innewohnendes Prinzip, sprechen die Legenden der Primitiven davon, daß der Tod als ein unglückliches Ereignis oder als eine Strafe in diese Welt kam, nicht unähnlich der biblischen Geschichte vom „Paradies“.
Das Kernstück der Überlieferung von der „Austreibung aus dem Paradies“, mit dem Nachdruck auf der oralen Verführung als Vorläufer genitaler Befriedigung, wiederholt sich in vielen Volkserzählungen — eine Tatsache, auf die Frazer schon vor Jahren hinwies.
Vom psychoanalytischen Standpunkt aus betrachtet stellt die sich über einen so langen Zeitraum erstreckende Abhängigkeit des kleinen Kindes, sein Bedürfnis nach Schutz und Geborgenheit bei der Mutter, eine für den Menschen spezifische Situation dar. Die biologische Hilflosigkeit des kleinen Kindes bringt hervor, was in der psychoanalytischen Gedankenwelt und Theorie so im Vordergrund steht, nämlich das Bedürfnis des Menschen