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Inwiefern geisteswissenschaftliche Feststellungen über Eigenheiten des Menschen sich mit medizinischen ergänzen, ist nicht das Problem. Es bleibt unbestimmt, ob die anthropologische Fragestellung ihrem Wesen nach eine naturwissenschaftlich-medizinische oder eine philosophische ist. Dies ist kein Mangel,
sondern die Basis der in diesem Buch gesammelten Untersuchungen. Die Divergenz, die damit sichtbar wird, verwickelt uns in die Zweischneidigkeit einer Erfahrung. Deren Preisgabe würde uns an den geisteswissenschaftlichen oder medizinischen Gegenstand der Anthropologie ausliefern. Der strenge Beweis eines Problems läßt sich hier bei Vermeidung von Voreiligkeiten nur dialektisch vollziehen. Er stellt schon die Sache selbst dar. Das Kranksein verwirklicht sich im Entzug eines Gesundseins, dessen Möglichkeiten sich erst in ihrem Verlust bestimmen. Anders: die pathologische Modifikation bestimmt die Norm, die im anthropologischen Bereich in einem dialektischen Verhältnis entsteht. Die Analyse dieser Dialektik ist der Leitfaden vorliegenden Buches, das Arbeiten aus einem guten Jahrzehnt umfaßt. Ausgangspunkt und in vieler Hinsicht auch Zielpunkt ist der anthropologische Ansatz Pascals, zu dem Plügge eine echte Kongenialität geglückt ist.
Corpus elongatura Spiritus intra tempus. Die Inkarnation des Geistes innerhalb der Zeitlichkeit ist die Polarität von infini und néant — so wie sich in der Geometrie aus der Polarität des Sich-Schneidens und Strahlens jede Figur bildet. Sie konkretisiert sich in der Polarität zweier Idealitäten.
In diesem Sinne gelingt Plügge die dialektische Visualisierung anthropologischer Wesensverhalte. Die Individualität lebt in ihren Bezügen selbstvergessen. Am Schwund dieser selbstvergessenen Bezüge erfährt die Individualität die Transzendenz des Anderen, der sie ausgeliefert ist. Sie wird durch die Privation aber zum aufgerufenen, angeforderten Du, das die Person ist. — Das Unendliche selbst erhält und bewahrt die Person in einem auf der Überzeitli