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Titel und Untertitel dieses Buchs sind beredter Ausdruck einer Scheu vor großen Worten. In Wirklichkeit handelt es sich bei dieser Zusammenstellung von Reden, Aufsätzen und Erinnerungen des Heidelberger Poliklinikers und Kollegen eines von Weizsäcker und Siebeck um ein immer erneutes Credo zu einem von der Antike und der deutschen Klassik geformten ärztlichen Sein. Insbesondere der Beitrag „Die Bildung des Arztes“ läßt dies ganz deutlich werden.
Für den Psychotherapeuten sind die „Gedanken zur psychoanalytischen Methode“ und die Eröffnungsansprache als Vorsitzender des Kongresses für Innere Medizin 1949 über Psychosomatik die unmittelbar wichtigsten Abhandlungen. Man möchte sich wünschen, daß die Kritiker der Psychoanalyse nur einen Bruchteil der philosophischen Bildung und des besonnenen Abwägens angewendet hätten und noch wirksam sein lassen möchten, wie sie hier dem Leser aus jedem Satz deutlich wird, dann wäre die beschämende Fülle niveauloser Angriffe die Jahrzehnte hindurch nicht möglich gewesen. Aber Oehme hat auf dem Kongreß 1949 ja selbst erleben müssen, daß seine differenzierte Art der Stellungnahme, die der Materie selbst und auch dem Werk von Weizsäckers gerecht wurde, kein überzeugendes Echo fand.
Auch der Leser muß sehr aufmerksam bleiben, sonst verliert er sich in den langen und schwierigen Satzgebilden, er wird dann aber auch auf Schritt und Tritt belohnt, wofür hier nur ein Beispiel zeugen mag: „Homo sum nil humanum a me alienum puto, das heißt jedoch nicht, in einem proteushaften Gestalten-und Standpunktswechsel oder in einem verworrenen Eklektizismus, gar mit opportunistischer Färbung, alles verwaschend relativieren, wobei der Relativismus nur sich selbst gerne absolut nimmt.“ (S. 72.)