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Zunächst sei aus Stengels Rezension der 11. Auflage (Psyche XII [1958/59], 761) bekräftigend wiederholt, daß es sich um ein glänzend geschriebenes Werk handelt und „eine Masse von wertvollem Wissen und originellen Ideen“ enthält. Seiner bewußt didaktischen Prägung kam Kretschmers Einstellung als Eklektiker fördernd entgegen; er hat, wie Stengel schrieb, „ein gutes Wort für alle Schulen und Methoden“.
Das Kapitel über Homosexualität und andere sexuelle Perversionen wird als neubearbeitet angekündigt. Genetische, körperbauliche, zentralnervös bedingte Aspekte hat Kretschmer ausführlich und überzeugend dargestellt; demgegenüber wirkt die Darstellung triebdynamischer, zwischenmenschlicher Determinanten blasser. Unverständlich aber muß es erscheinen, daß zwar die in ihrem Wert zweifelhaften Beckenmessungen bei Homosexuellen durch Schlegel in einem doch der Propädeutik dienenden Lehrbuch genannt werden, daß aber die psychogenetischen Befunde der Psychoanalyse ganz unberücksichtigt geblieben sind.
Das „unlösliche Hineingewobensein der psychischen Faktoren in die normalen und pathologischen Zustände des Organismus“ ist die Grundlage einer Betrachtungsweise, die heute den Namen Psychosomatik trägt, und Kretschmer betont deren Bedeutung in der ärztlichen Praxis. Die Therapie betreffend liegt das Hauptgewicht der Information auf den übenden Verfahren, die eine Nachbarschaftsbeziehung zu den dem Arzt geläufigen Vorstellungen über das bedingte Reflexgeschehen haben.
Der Pyschoanalytiker wird wieder einmal mit Bedauern Gelegenheit haben zu sehen, wie unzulänglich sein Fachgebiet abgehandelt wurde. Die Darstellung der psychoanalytischen Behandlungstechnik dürfte in dieser Form in einem modernen Lehrbuch keinen Platz mehr finden. Auf S. 367 heißt es zur „Technik der engeren psychoanalytischen Schule“: „Am besten nimmt man die letzten Träume des Patienten Szene für Szene als Ausgangspunkt für das einfallsmäßige Assoziieren. Seine Träume muß der Patient täglich schon morgens unterm Erwa