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Mit dem Erscheinen dieser Habilitationsschrift von Habermas, der gegenwärtig einen Lehrstuhl für Sozialphilosophie in Heidelberg innehat, wird einem breiteren Publikum wohl eine der besten und zugleich wichtigsten soziologischen Arbeiten der letzten Jahre zugänglich. Habermas sucht das Wesen der Öffentlichkeit aus ihren soziologischen und historischen Bedingungen zu bestimmen, indem er zeigt, daß das Prinzip der Öffentlichkeit zu den charakteristischen Merkmalen des liberalen Staats- und Gesellschaftsmodells zählt und mit dem Wandel der liberalen Gesellschaftsordnung sich in seiner Struktur selbst mitändert. Methodisch verfährt die Untersuchung typisierend: auf dem Hintergrund der konkreten historischen Wirklichkeit sucht sie aus deren Strukturen und Tendenzen die ihnen immanente Idee herauszukristallisieren, Mit Hilfe dieser eigentümlich stilisierenden Methode entwickelt Habermas die Kategorie der Öffentlichkeit, die ihm dann umgekehrt zum Instrument einer Analyse der bürgerlich-liberalen Gesellschaft wird. Dabei erweist sich das Prinzip der Öffentlichkeit als ausschlaggebend für das freiheitliche Potential einer sozialen und politischen Ordnung. Von der Struktur der Öffentlichkeit hängt es weitgehend ab, in welchem Grade die innere Demokratisierung unserer Gesellschaft in Fortschritt oder Verfall begriffen ist. So entwickelt sich aus den geistes- und sozialgeschichtlichen Analysen in der ersten Hälfte des Buches unter der Hand eine fundierte und ins Zentrum des Problems treffende Kritik an der Verfassungswirklichkeit der Massendemokratie.
Habermas untersucht zunächst die sozialen Strukturen und die politischen Funktionen der Öffentlichkeit am liberalen Modell. Dabei trägt er eine erstaunliche Fülle an sozialgeschichtlichem Material zusammen, ob es sich um die bürgerliche Familie oder die englischen Kaffeehäuser, die Entwicklung der Grundrechte oder das Entstehen einer räsonierenden Publizistik handelt. Bei der Ausbreitung dieser historischen Einzelphänomene gewinnt