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Das vorliegende Werk über die Psychologie des Jugendalters hat seit seinem Erscheinen bereits 6 Auflagen erlebt. Es darf dem wissenschaftlichen Range sowie der menschlichen Weite nach der unvergeßlichen „Psychopathologie des Jugendalters“ Homburgers zur Seite gestellt werden. Jersild lehrt am Teacher's College der Columbia Universität von New York. Er ist also Schulpsychologe, befaßt sich aber neben der psychologischen Untersuchung von Schülern vor allem auch mit der Weiterbildung der Lehrer. Er hat durch zahlreiche Befragungen Jugendlicher erfahren, daß bei den meisten das Thema „Schule“ eine düstere Stimmung aufkommen läßt. Als Ursache wird das tiefe emotionale Ungenügen an den schulischen Institutionen genannt. Mehr als Sachwissen verlangt der Adoleszent nach allgemeiner Orientierung, emotionalem Halt und nach gültigen Werten.
Auch hier müssen wir uns als Angehörige des westlichen Kulturkreises eingestehen, daß die Bewußtseinsentfaltung zugunsten der äußeren Welt und ihrer technischen Beherrschung der Erhellung unseres innerseelischen Bereichs weit vorausgeeilt ist. Dies Dilemma hat Unsicherheit und Angst besonders bei unseren Jugendlichen erzeugt.
Neben einer großen Zahl neuer Einsichten — als Beispiel nennen wir nur die Intelligenzentwicklung, deren Abschluß man heute nicht mehr auf das Alter von 14-15 Jahren festlegt, sondern auf den Beginn der dritten Dekade verlegen muß — finden wir eine erfrischende Kritik an der amerikanischen Konzeption des „well-adjustment“ als Ziel der Erziehung. Jersild demaskiert ein extremes Streben nach Konformismus und Angepaßtheit als einen die schöpferischen Kräfte lähmende Abwehrmechanismus. „Nicht derjenige ist emotional reif, der gelernt hat, wie man seine Gefühle immer unter Kontrolle hält, sondern der frei über alle seine