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Verf. referiert das protestantische Schrifttum über die Seelsorge der letzten 40 Jahre. Dabei wird die Psychologie
und Psychotherapie als — keinesfalls unentbehrliche — Hilfswissenschaft gesehen (Thurneysen). Die Seelsorge besitze ihr eigenes Menschenverständnis, welches durch die Heilige Schrift bestimmt wird. Seelsorge wird mit Predigt und Verkündigung von Gottes Offenbarungen gleichgesetzt. In einer neueren theologischen Anthropologie wird dagegen mehr auf psychologische und soziologische Fakten Bezug genommen, wobei aber die Beziehung des Menschen zu Gott das eigentliche und wesentliche dieser Anthropologie bleibt. Das Wunschdenken überwiegt dabei eindeutig, wie z. B. in der Aussage, daß der Mensch in der seelsorgerischen Verkündigung die „neue Wirklichkeit“ erfahre.
In einem zweiten Teil wird jene Anthropologie referiert, wie sie sich aus den Schriften von v. Krehl, V. v. Weizsäcker, Siebeck und Christian ergibt. Verf. streift auch kurz die naturwissenschaftliche Basis von Freuds Denken. Nach Binswanger und Boss erweist sich jedoch das naturwissenschaftliche Denken als eine reduzierte Wirklichkeit (im Gegensatz zu einem Vollkommenheitswunsch). Ausführlich wird die Arbeit von Siebeck gewürdigt, der insbesondere eine Individualdiagnose der rein naturwissenschaftlichen Diagnose gegenüberstellt.
Hieraus glaubt der Verf. ohne weiteres eine auffallende Ähnlichkeit der Seelsorgelehre mit der anthropologischen Medizin zu ersehen. Mit Scheler feiert er, daß die Probleme einer philosophischen Anthropologie heute im Mittelpunkt des wissenschaftlichen Denkens stehen.
Das positive Anliegen des Verf. ist es, darauf aufmerksam zu machen, daß in der Seelsorge ein oft beklagter Wirklichkeitsverlust besteht, weil die Seelsorge sich durch ihren Anspruch auf Exklusivität den Blick auf anthropologische Forschungen verstellt (Seite 96). Es ist zu hoffen, daß die Arbeit andere Theologen zu weiteren Fragen anregt. Das Bild des Menschen bleibt in dieser Arbeit jedoch in das Dunkel jenes