You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Die Fähigkeit zu Ichleistungen, die ein einigermaßen der Realität angepaßtes Verhalten garantieren, ist bei der psychoanalytischen Behandlung von Neurosen die Voraussetzung für einen erfolgreichen therapeutischen Prozeß. Die Psychosen sind dagegen vom weitgehenden Zusammenbruch der Ichfunktionen und von tiefregressiven Vorgängen gekennzeichnet. Sie verlangen immer eine Abwandlung der Technik und der Zielsetzung der Therapie. Bei den Borderline Cases, den Fällen aus dem weiten Grenzland zwischen Neurose und Psychose, sind das Ich und seine Funktionen inhomogen, geschwächt, gestört oder auch irreversibel defekt.
Wie können wir behandeln, wenn wir bei der Art unserer Therapie auf ein bestimmtes Maß intakter Ichfunktionen angewiesen sind und die Zielsetzung im Erwerb besserer Realitätseinschätzung liegt? Wir sind nicht bereit, die Illusionen des Patienten zu teilen oder mit ihm die Realität zu verleugnen. Wir möchten vielmehr dem Patienten zu einer größeren Distanz im Umgang mit sich selber verhelfen, damit er sich in Zukunft neu zu orientieren vermag und eine größere Frustrationstoleranz für primitive, infantil gebliebene Bedürfnisse erwerben kann. Gerade diese komplizierten Aufgaben der Anpassung, welche die Therapie verstehbarer machen möchte, sind unseren Patienten auf Grund ihrer Ichstörungen bisher mißlungen.
Sind nun diese Ichstörungen der Grenzfälle 1. konstitutionell oder so früh erworben, daß es zu einer irreversiblen Veränderung bestimmter Bezirke gekommen ist; sind sie also psychische Defekte, bei denen es sich um eine primäre Störung der Wahrnehmungs- und Gefühlssphäre handelt, und bei denen man annehmen kann, daß jede Belastung zu einem neuen Trauma wird?
Oder sind sie 2. durch emotional erfahrene Umwelt in der frühen Kindheit so betroffen, daß das Ich nur sehr beschränkte Möglichkeiten entwickelt hat, daß ein Neugierverhalten fehlt, der Lernprozeß geschädigt ist?
Oder wird 3. ein Entwicklungszustand beibehalten oder auf einen solchen regrediert, der auf unmit