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Zum Schluß unseres Berichts über Freuds Privatlektüre haben wir eine Reihe von interpretativen und selektiven Hypothesen erörtert, die für die Beschäftigung mit Literatur nützlich sein könnten (III, S. 892 f.). Ohne uns bei der Frage aufzuhalten, ob sie mit dem vollständigen Bedingungsgefüge des Lesers Freud und seiner Autorenwahl schon zur Deckung zu bringen sind, sei einer dieser Voraussetzungen eine etwas veränderte Fassung gegeben. Wir gehen also von der Hypothese aus, daß ein Mann, der nicht Mensch sein durfte eine Stunde, wenn er „nicht elf Stunden lang Maschine oder Magazin war“1, und der im hohen Alter fand, daß eine Kultur, welche eine so große Zahl von Teilnehmern unbefriedigt läßt und zur Auflehnung treibt, weder Aussicht habe, sich dauernd zu erhalten, noch es verdiene2—daß ein solcher Mann also die ihm teure Hoffnung auf Freiheit und Teilhabe am Ganzen der Gesellschaft in der Realitätskritik allein nicht unterbringen, im beruflichen Alltag auch nicht vergessen konnte. Sie band ihn an Literatur, namentlich an die epische, dort wieder besonders an die englische. Ja, daß „der Dichter uns in den Stand (setzt), unsere eigenen Phantasien nunmehr ohne den Vorwurf und ohne Schämen zu genießen“3, mag auch auf „den einzigen Ausdruck von Hoffnung, der noch bleibt“ Anwendung finden, auf die Erwartung humaner Verhältnisse und die „Idee von Menschlichkeit“ (Adorno)4.
„Was immer der direkte Ausgangspunkt, das konkrete Thema, der unmittelbare Zweck etc. eines literarischen Gebildes auch sein mag, sein tiefstes Wesen drückt sich in der Frage aus: Was ist der Mensch?“ (Lukács)5. Es ist eben diese Information, die der Leser in den Büchern sucht—wie immer es um seinen Ausgangspunkt oder Zweck beim Lesen bestellt sei. Bei Freud schwindet in der Dimension dieser Frage jede Differenz von Leser und Autor: jeweils steht der gleiche Ödipus vor der gleichen Sphinx. Er, der uns selbst ein „schriftstellerisches Oeuvre von seltenem Umfang und Reichtum“ hinterließ (Stegmeyer)6, war al