You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Das Buch ist unter einer einfachen Grundkonzeption geschrieben: menschliche Angst wird als Ausdruck eines intrapsychischen Verfangenseins angesehen. Verschiedene Motivationssysteme werden aktiviert und arbeiten gegeneinander. Es hilft in dieser Konfliktsituation nicht, Bewußtheit und hochentwickeltes Denken zu mobilisieren. Dies würde die innerseelische Verstrickung—und damit Angst—noch verstärken. Statt dessen müssen die Bedingungen für eine reparative Homöostase geschaffen werden. Dadurch läßt man primitive, aus der Tiefe des Biologischen wirkende Ausgleichstendenzen zum Zuge kommen, die die intrapsychische Verstrickung lösen und damit zur Entspannung und Minderung der Angst führen. Den Prozeß dieser Rückkehr zu einer seelischen Homöostase nennt Meares „atavistische Regression“, die er von einer mehr chronologisch verstandenen Regression unterschieden wissen will.
Ruhe, Schlaf, die Sedierung mit Medikamenten, Meditation, autogenes Training, religiöse Erfahrungen, Suggestion und Hypnose sind alle durch eine Herabsetzung des kritischen Denkens gekennzeichnet. In all diesen Zuständen kommt daher eine „atavistische Regression“ und damit eine Minderung der Angst zustande. Dasselbe trifft aber auch—das ist eine von Meares Schlußfolgerungen—für alle Formen der Psychotherapie, einschließlich der Psychoanalyse zu. Soweit in diesen Behandlungsformen ein therapeutischer Effekt zu beobachten ist, ist er der auch hierin wirksamen atavistischen Regression zuzuschreiben.
Im Besitze dieser relativ einfachen Erklärungsformel ordnet sich für Meares' das anderen Menschen so verwirrende Bild der klinischen Psychiatrie in erstaunlicher Weise. Eine ausgedehnte und oft lehrreiche klinische Erfahrung vereinigen sich in ihm mit dem Bewußtsein dessen, der den Schlüssel zur „Wahrheit der Angst“ gefunden hat. Dieser Schlüssel steht Meares gleichsam in verschiedenen Ausführungen zur Verfügung—hier heißt er etwa Hypnose, dort Suggestion, dort „beruhigender Zuspruch“, gelegentlich auch einmal Psy