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Die Lektüre hinterläßt eine gewisse Ambivalenz. Zunächst stößt man sich daran, mit welch naiv-realistischer Unbekümmertheit bei den Testuntersuchungen wieder einmal die Gültigkeit der Symptomwerte vorausgesetzt wird. Keine Arbeit, die sich dieses ungeklärten Fragenkomplexes in Form einer Analyse des Wahlvorgangs (einschließlich der Eigenqualität der Bilder) annähme! (Wenngleich man zugeben muß, daß das beim Szondi-Test ungemein schwierig ist.) Ein Ansatz von Bellingroth (über die physiognomischen Merkmale der h- und s-Bilder, in Szondiana III) wurde anscheinend nicht weitergeführt.
Sodann beeindrucken jedoch die Therapie-Fälle und die theoretischen Abhandlungen: sie verbinden den Tiefsinn der Jungschen Psychologie mit der begrifflichen Prägnanz der Psychoanalyse und vermögen dabei dank Szondis Theorie Phänomene scheinbar entlegenster Dimensionen der Persönlichkeit zu einer prägnanten Gestalt zusammenzuschauen.
Gegenüber Szondiana I bis III treten jetzt die Testuntersuchungen zurück zugunsten anthropologisch und theoretisch akzentuierter Beiträge (beispielsweise in Szondiana V: Deri: „Genotropism in the Framework of a Unified Theory of Choice“.—Poljak: „Zum Problem des Ethischen in der Tiefenpsychologie“), gipfelnd in der Arbeit des Meisters: „Der Weg zur Menschwerdung“ (Szondiana IV): er führe vom Homo participator (1. Lj.) über den repressor, potentator, individuator, elector zum liberator et humanisator: worin sich die verschiedenen Grundthemen der tiefenpsychologischen Schulen spiegeln.
Eine wertvolle, kritische Orientierung bietet Wurmser: „Die Bedeutung L. Szondis für die Psychiatrie“ (Szondiana V).