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Eine aus reicher ärztlicher Erfahrung gestaltete Anleitung für die diagnostische Einordnung und die Therapie seelischer Störungen in der zweiten Lebenshälfte. Die Darstellung ist vorwiegend klinisch orientiert und berücksichtigt unter Verweisen auf repräsentative Literatur auch aktuelle Fragen der somatologischen und psychologischen Geriatrie. Zu den Leitgedanken des Buches gehören das vom Verf. seit längerem und mit Recht vertretene Prinzip der ätiologischen Unspezifität aller psychopathologischen Syndrome und—damit zusammenhängend—die Betonung ihrer komplexen Genese, die in der Alterspsychopathologie besonders evident wird. Man ist dankbar dafür, daß Verf. darauf verzichtet, die in alterspsychiatrischen Publikationen unseres Sprachgebiets in Mode gekommenen belletristischen Rechtfertigungen und Glorifizierungen des Alters fortzusetzen; es geht ihm um Leidenszustände im und durch das Alter. Die Gliederung des Werkes ist eine syndromatologische. Das Augenmerk gilt weniger den wohlbekannten klassischen Krankheitsbildern als jenen schwierigen Grenz- und Überschneidungszonen, wo sozioreaktive, strukturelle, endogene und somatische Faktoren sich mischen und Zustandsbilder auftreten, in denen „an sich verständliche Eigenarten schließlich eine derartige Verdichtung und Steigerung erfahren haben, daß schon von daher der Krankheitswert bejaht werden muß“. Sparsam aber liebevoll ausgewählte Kasuistik macht individuelles psychisches Kranksein im höheren Alter und dessen komplexe Pathogenese anschaulich. Der praktische Wert der Abhandlung wird durch gründliche Besprechung forensischer und gutachtlicher Fragen sowie der alterspsychiatrischen Therapeutik erhöht. Der bescheidene Anspruch des Buches, „wenigstens stückweise … kritisch-wissenschaftliche Stellungnahme“, vor allem aber „Werkzeug für die Klinik und Praxis“ zu sein, kann vollauf als erfüllt gelten.