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Es war an der Zeit, daß die bisherigen Ergebnisse der Krankenhaussoziologie zusammengefaßt und mit der existierenden Theorie konfrontiert werden. Es ist ein Glück, daß sich ein so gründlicher und origineller Geist wie Rohde dieser schweren Aufgabe zugewandt hat, der nicht nur das Fazit zieht, sondern auch an jedem wichtigen Punkt zu neuen Hypothesen und zu neuen Forschungsansätzen vorstößt. Rohde hat sich zwar bisher noch nicht an der empirischen Krankenhausforschung beteiligt, dafür kennt er die vorwiegend nordamerikanischen Arbeiten sehr gründlich und versteht es, Empirie und Theorie in einer Weise zusammenzufassen, wie es der Mehrzahl der amerikanischen Forscher nicht liegt. So ist ein Buch entstanden, das nicht nur dem Neuling eine ausgezeichnete und fast vollständige Übersicht über die Problematik gibt, sondern auch dem Eingeweihten viele neue Ideen anbietet, die des Nachdenkens und Durchdiskutieren wert sind. Es ist vollständig der kasuistische Standpunkt der amerikanischen Literatur überwunden worden, und zwar so weit, daß der deutsche Leser das Gesagte wohl immer mit den ihm bekannten deutschen Verhältnissen vergleicht und gar nicht auf die Idee kommt, daß die Empirie, soweit sie in diesem Buch erscheint, fast ausschließlich auf amerikanischem Boden gewachsen ist.
In einer ausführlichen Einleitung wird genau gesagt, was man unter einer Soziologie der Medizin zu verstehen habe und wie die grundlegenden Verknüpfungen zwischen dieser neuen Disziplin und der Kulturanthropologie und der Soziologie vorzunehmen seien. Schon hier wird die Rollenthematik der heutigen Soziologie in den Vordergrund gestellt. Es ist für die weiteren Erörterungen von großem Vorteil, daß der Begriff der „Medizin“, der insbesondere in soziologischer Sicht so wenig eindeutig ist, zugunsten des Begriffes „Gesundheitswesen“ verlassen wird. Denn der Begriff des Gesundheitswesens vermag viel besser zum Ausdruck zu bringen, daß es sich hier um ein institutionalisiertes Verhaltenssystem, ein Syste