You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Angeborene Mißbildungen gibt es nicht erst seit der Entwicklung von Contergan. Nur wird seither öffentlich beredet, was bisher eher schamvoll verschwiegen oder übersehen wurde. Diese Situation bestimmt eine selbst stark körperbehinderte Psychologin, ihre Erfahrung einem größeren Kreis als der Klientel ihrer Erziehungsberatungsstelle (s. Zt. Lindau) zugänglich zu machen.
Es ist ein bescheidenes Büchlein, das Cilly Verheyden vorlegt. Weder bringt es exakte wissenschaftliche Daten noch handfeste Rezepte noch großartige Bekenntnisse. In Form eines beratenden Gespräches, mit direkter Anrede, wendet sich die Autorin unmittelbar an die Eltern des körperbehinderten Kindes. Ansprechend lebendig zeichnet sie die Grundzüge kindlicher Entwicklung mit ihren kritischen Phasen und typischen Konflikten, bedacht darauf, tiefenpsychologische Erkenntnisse einem laienhaften Verständnis behutsam näher zu bringen. Mühelos gelingt es ihr, in diesem Rahmen jeweils die Situation des körperbehinderten Kindes darzustellen und ihm gegenüber besonders naheliegende Erziehungsfehler aufzuzeigen. Ebenso mühelos flicht sie kleine Beispiele aus ihrem eigenen Leben ein, etwa, wie Bruder und Nachbarskinder für sie eintraten, oder daß sie heute noch manchmal davon träumt, ungehindert Rad fahren zu können.
Cilly Verheyden braucht sich nicht erst „einzufühlen“; sie kann eigene Erfahrung sprechen lassen, auch über die Grenzen hinaus, die ihr als beratender Psychologin gesetzt sind. So heißt es in dem Kapitel über religiöse Erziehung: „Ein körperbehindertes Kind, das religiös erzogen wird, ist weit glücklicher zu preisen als eines, das in einer rein materialistisch-naturwissenschaftlich—areligiös denkenden. Familie aufwächst.“ Als persönliche Überzeugung zu respektieren, ist dieser Satz doch schlechterdings falsch als Ratschlag an erziehende Eltern. Statt Verantwortung zu wecken, suggeriert er ein schlechtes Gewissen. Solche—vereinzelte—Grenzüberschreitung ist nichts als die Kehrseite der unlösbaren Verbindu