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„Die Gruppe spricht“
In unserer Einleitung sprachen wir von sichtbaren Phänomenen im Verlauf eines Gruppenprozesses, die uns immer wieder stark beeindruckten. Mit ihnen werden wir uns im folgenden näher auseinandersetzen. Zu diesem Zweck greifen wir zwei Phänomene heraus. Alles, was sich in der Gruppensituation abspielt, scheint etwas mit der Gruppe selbst zu tun zu haben, sogar Themen, die sich mit ganz anderen Bereichen befassen, spiegeln plötzlich Gruppenprobleme in einem erstaunlichen Ausmaß wider. Ferner hatten wir den unabweisbaren Eindruck, daß sich vor unseren Augen eine geschlossene Gruppe mit allen ihren spezifischen Eigenheiten bildete. Im Laufe unserer Gruppenarbeit entwickelten sich diese Vorstellungen zu Arbeitshypothesen, deren wissenschaftliche Verifikation zunächst ein Zukunftsziel bleibt.
Gesprächsinhalte und Verhaltensweisen der Gruppenteilnehmer werden von einer unbewußten gemeinsamen Phantasie gelenkt.
Im Rahmen dieses Prozesses entsteht aus mehreren Individuen eine umrissene Gestalt — die Gruppe.
Zunächst die erste Hypothese:
In der zweiten Sitzung einer Gruppe sind anfangs nur fünf Teilnehmer anwesend. Zwei von ihnen sprechen über gemeinsame Erlebnisse in Afrika. Ihre Absicht ist unverkennbar, die unangenehme Situation durch ein harmloses Thema zu überbrücken. Der eine Gesprächspartner erzählt jetzt ausführlicher. Seine Darstellung engt sich mehr und mehr auf das Problem der Rassentrennung ein:
„In diesen politischen Dingen kenne ich mich nur wenig aus, ich selbst verurteile die Politik der Rassentrennung.“ Danach fügt er ein selbsterlebtes Beispiel hinzu: Er habe selbst gesehen, wie ein degenerierter Weißer, der am Rinnstein saß, auf fünf Schwarze aufpaßte, die arbeiten mußten, daß die Schwarte krachte. Eine Teilnehmerin wirft ein: „Die Rache wird fürchterlich.“
Kein Zweifel, dieser Teilnehmer stellt mit dieser unbeabsichtigten Gesprächsfolge das Gefühl der Gruppe dar. Einer ist von fünf anderen unterschieden.