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Eine spezielle Untersuchung und systematische Zusammenfassung solcher Lebenslagen, in welchen ein Mensch krank wird, fehlt bislang. Das mag einmal darauf zurückzuführen sein, daß der Schwerpunkt der Forschungen und Überlegungen in diesem Zusammenhang stets dem Antriebsleben galt; vielleicht fürchtete man aber auch „jene naive Biographik, die sich beim Fund einer Krise, eines Lebenskonfliktes beruhigt und ihn als ausreichendes Motiv für die Psychogenese ansieht“ (9). Tatsächlich hat der Begriff der „Auslösesituation“, der gleichermaßen bei Neurosen wie bei den sogenannten psychosomatischen Krankheiten angewandt wird, zu manchen affektiv gefärbten Diskussionen Anlaß gegeben, die aus vereinfachenden Fehlinterpretationen resultierten, die der offenbar mehrdimensionalen Motivstruktur, die dem Auftreten von Krankheiten zugrunde liegt, nicht gerecht werden.
Im Prinzip wird dennoch generell die Bedeutung solcher aktueller biographischer „Auslösesituationen“ anerkannt — man denke an die Konzeption von Weizsäckers, aber auch an die „Schlüsselerlebnisse“ bei Kretschmer, die „Versuchungs- und Versagungssituationen“ bei Schultz-Hencke, sowie an die „Erlebniskategorien“ bei Speer und nicht zuletzt an die „typischen Veranlassungen zum Ausbruch von Neurosen und Psychosen“ bei Adler. Im allgemeinen wird angenommen, daß im spezifischen Erleben solcher aktueller biographischer Situationen bei Menschen mit neurotischer Charakterstruktur in frühester Kindheit erworbene, bislang latente unbewußte Tendenzen aktiviert, „ausgelöst“ werden, um jetzt antriebshemmend bzw. pathogen zu wirken.
Die vorliegende Arbeit1 gibt nun einen Beitrag zur Erhellung der biographischen Situationen, die dem Krankheitsgeschehen unmittelbar vorausgehen. Die genetische Frage, insbesondere die Frage nach infantilen Vorprägungen von psychosomatischen Störungen bleibt hier unberührt. Für die Beantwortung einer solchen Fragestellung erschien uns unsere — vorwiegend