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Erst seit verhältnismäßig kurzer Zeit sehen wir, daß in der Psychiatrie der Versuch unternommen wird, Patienten, die wegen krimineller Handlungen verurteilt wurden, systematisch und methodisch zu behandeln. Gewiß hat man das gerade von psychoanalytischer Seite schon seit Jahrzehnten versucht; man denke etwa an „die Geschichte eines Hochstaplers“ von Karl Abraham. Im großen ganzen blieb es jedoch bei vereinzelten Versuchen, wobei sich die Psychiatrische Klinik meist besonders uninteressiert, wenn nicht sogar abweisend verhielt. In den Niederlanden kam es vor allem durch die Untersuchungen Baans an der Utrechter Forensisch-Psychiatrischen Observationsklinik zu einer neuen Entwicklung, nachdem Baan hatte zeigen können, daß eine Vielzahl der als „Psychopathen“ gebrandmarkten Kriminellen bei eingehender klinisch-psychiatrischer, klinisch-psychologischer und sozialer Untersuchung nicht als „Psychopathen“ im geläufigen Sinn des Wortes zu sehen ist, sondern an sehr verschiedenartigen Syndromen leidet. Zugleich zeigte sich, daß viele der Kriminellen bei vorhergehenden Untersuchungen zu Unrecht debil genannt worden waren: bei einem großen Teil dieser Patienten ergab die eingehende Exploration, daß man es mit verschiedenartigen Formen von Scheindebilität zu tun hatte. Diese neuen Erkenntnisse machten den Versuch einer zielgerichteten Therapie nicht nur möglich, sondern sie zeigten deutlich, daß eine Behandlung sinnvoll und notwendig ist.
Seitdem wird in unserem Lande in einigen Zentren wie der Dr. H. van der Hoevenschen Kliniek in Utrecht und der Groninger Anstalt für psychisch gestörten Delinquenten systematisch und sehr konzentriert mit diesen Patienten therapeutisch gearbeitet. Die inzwischen gewonnenen Erfahrungen zeigen, daß der eingeschlagene Weg trotz unausbleiblicher kleinerer Irrwege, besonders im Anfang der Bemühungen, die gemachten Anstrengungen rechtfertigt und daß auch in Fällen, die anfänglich als so gut wie aussichtslos beurteilt wurden, deutliche Erfolge zu erre