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Gewiß hängt es mit der „biologischen“ oder „naturalistischen“ Grundkonzeption des von Freud entworfenen „psychoanalytischen Menschenbildes“ zusammen1, wenn Bally in seinen psychologischen und anthropologischen Erörterungen oft — so noch in der zuletzt erschienenen Arbeit2 — Verhaltensbeobachtungen an Tieren vergleichend heranzieht. Jedoch spürt man es deutlich, daß ihn dazu auch eine über das methodische Prinzip hinausgehende, vom großen Atem der Natur erweckte und getragene Neigung treibt. So mag es dieser seiner Neigung entgegenkommen und zugleich eine gemeinsame Erfahrung des Alterns — dessen es vielleicht bedarf, um von der ungeheuren Fülle der Natur in wesentlicher Weise angerührt zu werden — bezeugen, wenn ich im vorliegenden, seinem siebzigsten Geburtstage gewidmeten Beitrage eine die „Natürlichkeit“ und die „Natur“ des Menschen betreffende Frage aufgreife.
Das, was gegenwärtig der Natur und insbesondere der menschlichen Natur am häufigsten entgegengesetzt wird, ist die Geschichte oder die „Geschichtlichkeit“ 3. Daran orientiert sich auch Bally, allein er faßt die beiden Bereiche nicht als sich ausschließende Gegensätze. „Der Glaube an den ‚natürlichen Menschen‘, an dem in der Zeit der Aufklärung Rousseau und Pestalozzi sich begeisterten“, schreibt er, „hat sich längst als trügerische Idealisierung erwiesen. Und doch, wie gerne möchten wir uns einer schönen Natürlichkeit überlassen können; aber wir möchten doch auch in einer angemessenen Ordnung leben. Da liegt ein Widerspruch an unserem Grunde: Der Mensch scheint so geartet zu sein, daß er sich dem natürlich andrängenden Leben nie ohne die Gefahr, das Maß zu verlieren, überlassen kann; aber ebensowenig kann er den Drang der Leidenschaften ungestraft verleugnen oder entwerten“ 4. „Das menschliche Sexualverhalten ist, wie jede, selbst die spontanste menschliche Äußerungsweise nicht einfach naturgegeben,