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Die Zahl der Publikationen über die heutigen Forderungen, wie ein rechter „Leib-Seele“-Arzt sich zu verhalten habe, was er wissen müsse, auch jenseits seines Sonderfaches, ist groß. Die Realisierung—selbst bei Einsicht in die Richtigkeit und Dringlichkeit—dieser Appelle läßt nachweislich nicht wenig zu wünschen übrig. Die Gründe, weshalb das so ist, ja, teilweise bei der gegenwärtigen Weltkonstellation so sein muß, stehen hier nicht zur Diskussion.
G. Clduser (und sein Mitarbeiter E. Holm) haben Gewichtiges zu diesem Problem zu sagen, sie gehen von der Frage aus „Was bedeutet für Diagnose und Therapie die Anamnese des Kranken? Das Problem als solches ist so alt wie die Medizin selbst. Der Titel „biographische Anamnese“ zielt darauf, den Schwerpunkt der Konfrontation Arzt—Patient in kausalen Zusammenhang mit dessen Krankheitsentwicklung zu legen.
Der einleitende historische Teil macht den Leser vertraut mit der über Jahrhunderte laufenden Entwicklung der Medizin in Richtung einer Biographie des Individuums. Dies speziell in der Inneren Medizin, Psychiatrie, Anthropologie und zuletzt in der Psychoanalyse. Die Definition Clausers stellt klar, auf was es ankommt: „Die biographische Anamnese des Werkes versucht, als Erlebnis-Geschichte der erkrankten Persönlichkeit angeborene und erworbene Kausalitäten, Konditionen oder Dispositionen in der Verstrickung des Menschen mit seiner Welt zu erfassen, krankmachende Erlebnisstrukturen zu erkennen, Sinnbezogenheiten zu ergründen und in all dem ein individuell regelhaftes Verhalten oder Fehlverhalten aufzuzeigen.“
Der Markstein für den tiefenpsychologisch ausgelösten Umbau in der Medizin in Richtung der Definition wird gesehen im Eingriff Sigmund Freuds, der, wie später von Weizsäcker, dem „Subjekt kranker Mensch“ das volle Mitspracherecht zur Klärung von Diagnose und Therapie einräumt. Zahlreiche Krankengeschichten, vor allem von eigenen Patienten, in denen somatische und seelische Befunde ausgewertet sind, veranschaulichen und défi