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Diese Psychiatrie wurde geschrieben unter dem leider stets seltener werdenden Blickwinkel des neurologisch orientierten Psychiaters, der aber zugleich der psychoanalytischen Wissenschaft ein besonderes Interesse entgegenbringt.
Fesselnd und bereichernd für den neurologisch geschulten Leser sind die Kapitel über Anatomie und Physiologie des Hypothalamus und der Hirnrinde. Der Thalamus wird als Empfangsstation für alle sensorischen Reize beschrieben. Im thalamo-hypothala-mischen System werden die primitiveren und viszeralen Erregungsvorgänge (die triebhaft-affektive Aktivität) „lokalisiert“. Bei der Besprechung der kortikalen Funktionen wird eine Unterscheidung getroffen zwischen senso-motorischen und gnosopraktischen Arealen. Die vier wichtigsten Bereiche gnosopraktischer Funktionen werden besonders beschrieben. So entwirft Krapf eine Neurologie des Verhaltens und Erlebens, wobei er die Grundlagen schafft für eine Korrelation zwischen ich-psychologischen und neuro-physiölogischen Konzepten. Zusammenfassend schreibt er z. B. auf Seite 35: „So organisiert die Präfrontalregion Verhalten in dem Sinne, daß sie die Integration der (parieto-occipitalen) Planungen und der (temporalen) Erfahrungen von emotionaler Bedeutung mit den Impulsen, die aus den subcorticalen Zentren kommen, erleichtert. Mit anderen Worten, es ist diese Präfrontalfunktion, die das Tier befähigt, sich auf eine seiner Gesamtsituation adäquaten Weise zu verhalten.“ Wie viele von uns haben doch oft als Studenten über psycho-physische Zusammenhänge spekuliert und verlangend nach einem etwas weniger zaghaften Geist unter den Neurologen Ausschau gehalten. Das Buch Krapfs erfüllt dieses Verlangen auf eine gewagte und luzide Weise.
Im zweiten Kapitel (Die Psyche) macht der Autor den Versuch, zwischen der Physiologie des ortho- und parasympathischen Systems und der psychoanalytischen Triebtheorie eine Brücke zu schlagen. Auch er unterscheidet zwei Triebe, die er Libido und Paralibido nennt. Zu Anfang vergleicht er