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Seit vier oder fünf Jahrzehnten ist in den historischen, soziologisch-psychologischen und medizinischen Wissenschaften ein anthropologisches Denken in Gang gekommen, das die funktionali-stische oder kategoriale Auffächerung des Menschen überwinden und ihn als
eigenwertigen, weder naturalistisch noch spiritualistisch reduzierbaren Erkenntnisgegenstand einsehen will. Zum Unterschied von den vergleichsweise naiven Anthropologien, als welche man die Affektenlehren des 18. Jahrhunderts, die pragmatische Menschenkunde Kants oder die idealistische Personologie von Carus bezeichnen kann, bedürfen die modernen Anthropologien größerer methodischer Raffinesse, um in der Überwindung dessen, was zur Freilegung anthropologischer Einsichten überwunden werden muß (namentlich die Trinität des erkenntnistheoretischen, des psychophysischen und des intersubjektiven Dualismus), glaubwürdig zu sein. Die entscheidenden Denkhindernisse wurden hier vor Jahrzehnten von Philosophen (Husserl, Scheler, Heidegger), von Psychologen (Bahnsen, W. Stern, Klages) und Sozialwissenschaftlern weggeräumt, von Forschern also, die sich noch nicht als Anthropologen bezeichneten. Die Programmierung einer Denkweise, die den Menschen psychophysisch neutral, welthaft und insbesondere mitweltlich strukturiert sieht, als anthropologische, geschah erst in der Ausarbeitung dieses Gesichtspunkts in den einzelnen Wissenschaften. Es sind nun zwei oder drei Jahrzehnte der Ausarbeitung vergangen, und es ist kein Nachteil, daß sich die einzelnen Forscher dabei mehr von den Sachproblemen ihrer jeweiligen Gegenstände als von den phänomenologischen, ontologischen, charakterologischen und soziologischen Erkenntnisprinzipien der theoretischen Wegbereiter der Anthropologie leiten ließen. Die Fülle neuer Erfahrungen und Einsichten wiegt, den Mangel an Kontinuität und Systematik der Forschung, an methodischer Disziplinierung usw. sicher auf.
Daß die Zeit zu einer Systematisierung der anthropologischen Erfahrungen, zumindest auf