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L. Binswangers „Phänomenologie der Liebe“ (S. 17) erscheint unverändert in einer dritten Auflage; das Werk wurde in dieser Zeitschrift bereits in früheren Jahren ausführlich besprochen. Inzwischen ist Binswanger Gegenstand philosophischer und daseinsanalytischer Kritik gewesen (W. Szilasi, H. Kunz, M. Boss u. a.). Vielleicht hat ihn die von ihm inaugurierte Forschungs- und Denkrichtung in der Tat bereichsweise
überholt; auch mag die Wirkung seiner großen Fallstudien und klinischen Publikationen größer gewesen sein als die dieses hermetischen Opus, dessen Bildungsfülle und philosophische Subtilität erhebliche Ansprüche an den Leser stellen. Die unendliche Ferne der „Grundformen“ zur wirklichen menschlichen Geschichte, zur Natur und zur Gesellschaft und ihr ideologisch-strategischer Charakter hat die Psychiatrie allerdings kaum daran gehindert, ein eigenes System psychiatrischen Denkens immer wieder an Binswanger zu orientieren.