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Verf. hat von Oktober 1944 bis zum Juni 1946 an zwei neuropsychiatrischen Abteilungen amerikanischer General Hospitals gearbeitet und in diesem
Zeitraum 800 deutsche Kriegsgefangene beobachten können. Aus diesem Krankengut sind 558 Patienten näher erfaßt, 62 Fälle werden paradigmatisch beschrieben (51 Psychosen, 8 „Psychopathen“ bzw. psychoneurotische Reaktionen, 3 Simulanten). Der besondere Wert dieser Arbeit, die im deutschen Sprachraum nur wenige Parallelen hat, liegt in der abgewogenen Darstellung der „Psychiatrie hinter Stacheldraht“, der Beobachtung psychischer Erkrankungen unter „uniformierten“, außergewöhnlichen, aber wiederum auch sehr ähnlichen Lebensbedingungen. Die Erlebniswelt der deutschen Kriegsgefangenen in den USA und die Erscheinungsformen ihrer seelischen Störungen finden auch im Vergleich zu Straf- und Internierungsgefangenen ausgiebige Berücksichtigung. Die eigenen Beobachtungen werden zum Anlaß genommen, die Verläßlichkeit der tradierten psychiatrischen Lehrmeinungen und wissenschaftlichen Axiome auf ihre praktische Brauchbarkeit und ihren Gehalt zu prüfen. In leichter Anlehnung an andere Autoren (vgl. auch Stransky 1903) legt Verf. als Verbesserungsvorschlag eine Nosologie vor, die unterschiedliche psychotische Syndrome aus dem Befall divergenter Funktionssysteme erklärt; so wird ein noopsychisches System, dem der „geistige Anteil der Seele, der das Erleben des Ich und des Es, des Subjekts und Objekts ermöglicht und beide aufeinander abstimmt“, dem thymo-psychischen gegenübergestellt. („Gemütsseele“, „Gemütsfunktionen als jene seelischen Teilerscheinungen, die das Ich, seine Eigenbefindlichkeit und Eigenveränderlichkeit von Außenreizen über die Gefühle, von Innenreizen über Gefühle und Triebe beeinflussen und in der Selbstbeobachtung als „Stimmungen“ ihren Ausdruck finden.) Daneben werden auch aetiologische Deutungen für die nicht organläsionellen seelischen Störungen aufgezeigt. Situationspsychosen (exogene Schädigungen vergleichsweise peri