You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Der Verfasser diskutiert den Vorbildbegriff, der hinter Milieutheorie und Neurosenlehren steht, in einer neuen Weise: der moralische Aspekt des Vorbildes wurde zurückgestellt; dagegen wurde die Wechselwirkung der Verpflichtung und Beglückung, die einander gegenseitig bedingen, herausgestellt. In der theoretischen Auseinandersetzung und einer psychologischen Analyse von Vorbildwirkung und Vorbilderleben setzt der Autor sich u. a. kritisch mit Freuds Über-Ich-Theorie auseinander: er macht Freud den Vorwurf, Über-Ich und Gewissen teilweise synonym gebraucht zu haben und nie bis zum Pochen des Gewissens vorgestoßen zu sein. Immerhin läßt er zwei Vertreter, die die Freudsche Vorbildtheorie weiterentwickelt haben, zu Wort kommen: Erikson und Becker.
Der 2. Teil ist der praktischen Anwendung der Analyse des Vorbilderlebens in der Erziehungsberatung gewidmet. Dazu wird folgender Weg eingeschlagen: „1. Provokation des kindlichen Leitbildes, 2. Feststellung des kindlichen Leitbildes, der kindlichen Reaktionsbasis, die an Hand der Maßgabe des Vorbildes und der Art der Geöffnetheit für dieses entstanden ist. 3. Feststellung der objektiven Vorbildmöglichkeiten und 4. Interpretation des Materials: Aus der Interpolation zwischen 2 und 3 erschließt sich die subjektive oder objektive Wurzel des verkürzten Vorbilderlebens. Darauf kann die am pädagogischen Ziel orientierte Beratung aufbauen.“
Beispielhaft werden eine persönliche Fallstudie aus der Erziehungsberatung und eine kollektive Vorbildanalyse zum Vorbilderleben der sogenannten Halbstarken gegeben. Beide Analysen weisen den Autor als einen erfahrenen subtilen Kenner der Materie aus.