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Als Glieder der Gesellschaft und Angehörige eines ihrer Heilberufe haben wir einst die paradoxe Notwendigkeit gelernt und mehr oder weniger übernommen, den Impuls, der sich als therapeutischer Ehrgeiz manifestiert, zu beherrschen. Es scheint jedoch noch schwerer zu sein, der Versuchung zu widerstehen, daß wir uns nicht auf soziale Gebiete begeben, die jenseits unseres psychoanalytischen Fachwissens liegen. Unter dem Druck der Zeitverhältnisse haben wir uns auf die verschiedensten Bestrebungen zur Besserung des menschlichen Zusammenlebens eingelassen, die zwar an unsere ethische Einsatzbereitschaft appellieren, aber keine Psychoanalyse sind. Die Anwendungsbereiche der Psychoanalyse sind so zahlreich geworden, daß wir kaum mehr genau wissen, wo die Grenzen der Psychoanalyse liegen.
Ein anderer Bereich unseres gegenwärtigen gesellschaftlichen Daseins, in welchem wir unsere Grenzen zu überschreiten geneigt sind, ist die Forschung. Strenggenommen gehört die Forschung zur Wissenschaft. Aber die Wissenschaft ist ein Teil des gesellschaftlichen Gewebes geworden. Wohin man sich immer wendet, hört man. im Namen sozialer Notstände nach mehr Forschung rufen. Diese Notstände werden gewiß von niemandem bestritten, aber der Wunsch, diesem Ruf zu folgen, hat vielleicht mehr als eine Wurzel, und ich schlage vor, daß wir uns über einige dieser Wurzeln, die uns als Psychoanalytiker und die Psychoanalyse als solche angehen, etwas näher unterhalten.
Vielleicht ist es an der Zeit, einen „Bescheidenheits-Ausschuß“ins Leben zu rufen. Meiner Meinung nach sind wir Psychoanalytiker zu ehrgeizig und expansiv geworden. Die der Psychoanalyse innewohnende wissenschaftliche Potenz genügt uns nicht mehr. Bewußte und unbewußte Faktoren tragen dazu bei, daß der Psychoanalytiker sich selbst als Wissenschaftler und Glied der Gesellschaft nicht mehr klar sieht.
So halten wir als Wissenschaftler oft nicht an der Unterscheidung fest, die zwischen unserem eigentlichen Fachgebiet und den angrenzenden Wissensch