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In klinischen Arbeiten über Jugendliche wird dem Begriff des Agierens (“Acting out“) eine besondere Bedeutung beigemessen. Man ist nun auf Grund von Erfahrungen zu der Erkenntnis gelangt, daß das Agieren in der Entwicklung heranwachsender Jugendlicher genauso spezifisch ist, wie die Spieltätigkeit in der Kindheit und die direkte sprachliche Kommunikation im Erwachsenenalter. Wir sind der Meinung, daß das Agieren ein typisches Phänomen der Adoleszenz ist; beide Begriffe sind daher beinahe synonym.
Dennoch gelangen wir bei näherer Betrachtung zu der Einsicht, daß oberflächliche Verallgemeinerungen und eine gedankenlose Zuflucht zu dem Begriff des Agierens für die allgemeine Verwendung dieses terminus technicus im Hinblick auf die Adoleszenz verantwortlich sind. Zweifellos haben normale Jugendliche in unserem Kulturkreis eine Neigung zu handeln. Diese Neigung ist oft von solch heftigem und zwingendem Ausmaß, daß man geneigt ist, beim Jugendlichen geradezu von einer Handlungssucht zu sprechen. Ob nun die speziellen Umstände der Adoleszenz das Agieren begünstigen oder lediglich einer Prädisposition zum Agieren die Tore öffnen, diese Frage soll uns in den folgenden Ausführungen beschäftigen.
Die theoretische Unterscheidung zwischen Handeln und Agieren wird an dieser Stelle nicht berührt. Die wesentlichen Unterschiede werden an Klarheit gewinnen, wenn man das Agieren aus der umfassenden Phänomenologie des Handelns abtrennt und die besondere Funktion untersucht, die das Agieren während der Adoleszenz einnimmt. Wir gestehen, daß diese Abgrenzungen in der klinischen Tätigkeit nicht immer so leicht zu ziehen sind, wie wir wünschen. Oft lernen wir aus unserem vergeblichen Bemühen in der Behandlung eines hemmungslosen Aktionsdranges (“uninhibited action discharge“) oder eines schauspielerischen Benehmens (“play acting“), daß solche Fälle typisches Agieren darstellen. Die umgekehrte Situation kann uns oft eine ebenso lehrreiche Einsicht vermitteln. In dieser Arbeit soll nun untersu