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Nur selten entschließt sich eine medizinische Institution, ihre gesamte eigene Tätigkeit in Zahlen zu erfassen, sie darzustellen und kritisch zu betrachten. Obwohl eine Schilderung der Arbeitsweise einer Klinik oder des Arbeitsbereiches einer Praxis eines lebhaften Interesses von Ärzten und Laien sicher sein dürfte, werden dergleichen Untersuchungen eher gescheut und als unnötige Zeitverschwendung abgelehnt. Uns selbst wurde jedoch in einer eingehenden Beschäftigung mit der zehnjährigen Tätigkeit unserer Klinik zunehmend klar, wie fruchtbar in der Kritik der angewendeten Theorien, in dem Aufriß neuer Fragestellungen und in der Korrektur unbemerkter Untersuchungs- und Behandlungsstereotypien, damit in der Rationalisierung ärztlicher Tätigkeit, solche Arbeiten werden können. Die Forderung, die allenthalben an die Psychoanalyse herangetragen wird, Einblick in die klinische Tätigkeit zu gewähren, und die überschaubare Patientenzahl unserer Ambulanz waren zwei Faktoren, die unsere Arbeit wesentlich stimulierten und begünstigten. Es war ein erfreuliches Zufallsergebnis, daß unsere Arbeit „in mehr Einblick gewährte, als in Fragen psychoanalytischer und psychosomatischer Tätigkeiten“ (Mitscherlich, 1963). Von diesem zusätzlichen Gewinn soll im Folgenden berichtet werden.
Die ärztliche Tätigkeit wird unter der stillschweigenden, kaum jemals bezweifelten Voraussetzung einer strengen Determinierung vorgenommen. Das gilt nicht nur für die Auffassung der Krankheitsentstehung und der Krankheitsverläufe, auch Therapieformen, Indikations- und Prognosestellungen scheinen dem nicht reflektierenden Mediziner unter gleichen Voraussetzungen und Befunden für alle Patienten gleich zu sein. Es besteht die Meinung, vergleichbare Leiden seien mit gleicher Methode zu behandeln und führten bei gleicher Ausgangslage zu gleichen Ergebnissen. Allenfalls werden gewissen Umwelteinflüssen geringe modifizierende Wirkungen zugestanden. Lediglich der Psy