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Von Freud und Jung abgesehen ist Kretschmer unter den deutschsprachigen Psychiatern zweifellos derjenige, der auch in außerfachlichen Kreisen den weltweitesten Widerhall erfahren hat. Schon die Auflagenziffern und Übersetzungen seiner Werke sind dafür ein eindrückliches Zeugnis. Sie finden sich nicht nur im Anhang seines neuen Buches verzeichnet, sondern es ist davon auch im Text selbst die Rede. In diesem Buch möchte der Verfasser in erster Linie „schildern, wie ein großes weiträumiges Forschungswerk überhaupt entsteht, so wie es in meinen Büchern, Einzelarbeiten und Vorträgen und in den Arbeiten meiner Schüler, Mitarbeiter und Freunde niedergelegt ist: an welchen Ansatzpunkten seine ersten Ideen entspringen und wie es sich von da aus baumartig weiter ausbreitet, seine theoretischen Grundlinien, seine Arbeitsmethoden und seine gesicherten Kenntniserträge entwickelt und zuletzt seine Früchte für das praktische Leben, für das ärztliche, soziologische, pädagogisch-juristische Handeln und für die praktische Menschenkunde und Lebensphilosophie reifen läßt“. Kretschmer verknüpft damit auch seine Herkunfts- und Lebens geschickte. Vor allem die Schilderungen der Atmosphäre und Landschaften des elterlichen Pfarrhauses und der nächsten Verwandtschaft wie die einiger seiner hervorragenden Ahnen vermitteln auf den ersten fünfzig Seiten einen lebendigen bezaubernden Eindruck. Er kann mit Recht sagen: „die Liebe zur freien Landschaft und zur gewachsenen Natur — die Liebe zu unserer alten Kultur, zum klaren Denken und zu einer lebendigen Lebensphilosophie — die Liebe zu den einfachen Menschen, ihrem Tagewerk, ihren plastischen Redewendungen und Sprichwörtern — und die stete Bereitschaft, ihnen zu raten und zu helfen. Auch dies sind Wegspuren, die später auslaufen in mein Leben und Werk.“
Aber Kretschmer hat bewußt nicht den Weg der Stille wie seine „nächsten philosophischen Freunde“ Wilhelm Busch und Jacob Burckhardt eingeschlagen, die in der „beruhigten und umhegten Eigenzone die