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Alles seelische Leiden kommt aus einer Verfehlung des Lebenssinns, aus einer Gegenläufigkeit gegen die Entwicklungsrichtung; dementsprechend muß alle Heilung den Einklang mit dieser durch Einsicht und Bewußtheit wiederherzustellen suchen: Dies ist der Grundgedanke von Diels schöner, umfassender
Darstellung des Seelenlebens und seiner Störungen. Der primäre ethische Imperativ fordert demnach, die objektive und die subjektive Dimension zur Harmonie zu bringen. Allerdings bleibt der tiefste Ursprung dieses Einheits-Verlangens der Seele ein Geheimnis, der „Désir essentiel“ ist ein Mysterium. Äußerlich wird die Herstellung der Einheit immer wieder durch die Vielfalt der Gegenstände wie auch der Bestrebungen erschwert — Pascals „Divertissement“ —, die Harmonisierung wird durch die Pluralität der Objekte und Tendenzen irritiert; außerdem ist beim Bewußtsein noch eine gewisse Freiheit des Aufschubs oder der Enthaltung zwischengeschaltet, so daß der Reflex zur Reflexion, die instinktive Reaktion zum intentionalen Akt, die Kausal-Determination zur Motivation wird. Die Weltentwicklung führt zu Bewußtsein und Bewußtheit, eine Evolution zur Interiorität und Zerebration — analog etwa der Konzeption P. Teilhard de Chardins.
Die Katharsis-Therapie muß also dem Evolutionsprozeß parallel verlaufen; deshalb polemisiert Diel sowohl gegen die mechanistische Evolutions-Theorie des Darwinismus als auch gegen S. Freuds Psychoanalyse, sofern diese die Sexualität als primär ansetzt (S. 82, 181 f., 232 f., 242 f., 279 f., 299 f.). So interpretiert Diel den Ödipus-Mythos — wie Schopenhauer — als Katharsis durch Sublimierung, als Läuterung durch Bewußtheit (S. 247 ff.).
Diels Werk, dessen 1. Auflage 1947 in Deutschland kaum beachtet wurde, ist eine Synthese von systematischer Theorie, phänomenologischer Deskription und therapeutischer Methode. Indem der Mensch den Lebenssinn verfehlt, vor seiner Lebensaufgabe, Innen- und Außenwelt zu versöhnen, versagt, erwächst ihm eine Lebensschuld (coulpe vi