You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Ferdinand Herrmanns Einführung in die Literatur über „Afrikanische Neger-plastiken“ kann jedermann nützlich sein, der dieses Gebiet der zeitgenössischen Kunstforschung gründlich kennenlernen will, um vielleicht eigene Beobachtungen einzuordnen oder Ideen zu entwickeln.
Paul Germann, der die (während des Krieges zum Teil vernichteten) Neger-plastiken aus dem Museum für Völkerkunde zu Leipzig vorstellt, bleibt hingegen längst überholten Anschauungen verhaftet; dafür ein Beispiel: „Die gesamte künstlerische Produktion geht in Negerafrika von den Männern aus. Die Töpferei liegt im allgemeinen in den Händen der Frau, und es bleibt daher auch immer bei dem einfachen, zuweilen geschmackvoll ornamentierten und in der Form gefälligen Nutzgerät“ (S. 38). Den Ausdruck „Negerafrika“ empfinden wir bloß als überholte Geschmack-losigkeit. Als „zuweilen geschmackvoll ornamentiert“ darf ein Lehrer die Produktionen einer Schulklasse höherer Töchter des bürgerlichen Mittelstandes beurteilen. Die Arbeitsteilung zwischen Mann und Frau hat eine gewisse Bedeutung; diese verallgemeinernde Bemerkung trifft jedoch keineswegs auf alle afrikanischen Völker zu. Daß der Autor Gegenständen, die von „den Händen der Frau“ gemacht worden sind, keinen künstlerischen Wert zuzuschreiben vermag, gehört wohl ins Gebiet seiner persönlichen Ideologie. Die ganze zitierte Stelle ist ein Beispiel dafür, daß der Autor — leider — nicht begriffen hat, daß seine Unterscheidung von Nutzgerät und Kunst in einem afrikanischen Gesellschaftsgefüge sinnlos ist, noch daß er ahnt, daß der Kunst in der Gesellschaft und im Lebensgefühl der Afrikaner eine andere Funktion zukommen mag, daß sie sogar anderen Bedürfnissen entspringen mag, als in der Welt des deutschen Kleinbürgertums.
Die auf 36 Tafeln wiedergegebenen Photographien afrikanischer Plastiken hätten trotz ihrer technischen Unzulänglichkeiten einigen dokumentarischen Wert, wenn in der Erläuterung jeweils angeführt wäre, welchem Volk (und nicht bloß welcher Region) de