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Immer wieder hat man versucht, die Einsichten der Psychoanalyse für die Erziehung auszuwerten. Doch hat eine wirkliche Integration noch nie ganz gelingen wollen — vielleicht deshalb, weil man sich nicht genügend klar machte, daß die Psychoanalyse ihrem Ursprung nach eine ärztliche und therapeutische Disziplin ist, deren Theoreme nicht ohne weiteres in dem so ganz anders gearteten erzieherischen Arbeitsbereich zu verwenden sind. Die Wissenschaft von der Erziehung kann jedoch auf die Ergebnisse der Psychoanalyse nicht verzichten. Darum ist es notwendig, die pädagogische Psychoanalyse, die bereits in den zwanziger Jahren begründet wurde1, neu aufzunehmen und auf zuverlässigere theoretische Grundlagen zu stellen: manche Akzente werden in der pädagogischen Psychoanalyse anders zu setzen sein als in der ärztlich-psychotherapeutischen; manche Stücke der analytischen Theorie werden zurücktreten, andere, bisher weniger gewürdigte, an Bedeutung gewinnen.
Am Beispiel der psychoanalytischen Lehre von der Sublimierung versuchen wir zu zeigen, wie eine Aufnahme tiefenpsychologischer Begriffe in pädagogisch-anthropologische Verstehenszusammenhänge möglich ist.
Als Freud in den „Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie“ zum erstenmal auf die Sublimierung zu sprechen kam, stand der genetische Aspekt im Mittelpunkt seines Interesses. Nachdem die infantilen Sexualregungen der Verdrängung anheimgefallen sind, werden in der Latenzzeit Hemmungen aufgebaut, die ihre Energie aus eben den unterdrückten Sexualregungen beziehen. Die Sublimierung der infantilen Antriebe stellt eine der wichtigsten Aufgaben der Latenzperiode dar. Doch bleibt das Problem in abgewandelter Form auch für den Jugendlichen in der Reifezeit und für den Erwachsenen bestehen: Die Sexualität erreicht im Jugendalter ihre funktionsreife, partnerbezogene Organisationsstufe; sie ist darum von nun an wieder direkter Befriedigung fähig, ohne mit den kulturellen Normen in Konflikt zu geraten. Gleichzeitig besteht jedoch die Aufgabe