You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Eine Welle wissenschaftlicher Konzentrationslager-Literatur überflutete in den letzten Jahren die zuvor so trockenen Gestade des öffentlichen Bewußtseins. Diese Veröffentlichungen spiegelten besonders in Deutschland die Notwendigkeit wider, die Verleugnung von Schuld und Scham zu überwinden. Es fanden sich Psychiater, die willens waren, die grauenhaften Erlebnisse mitfühlend zu überdenken und den leidenden Überlebenden Gerechtigkeit durch Wiedergutmachung widerfahren zu lassen. Im Gefolge dieser Bemühungen entwickelten sich neue diagnostische Begriffe, von denen einige sogar auf psychodynamischen Vorstellungen beruhen.
Aufgabe und Ziel dieser Arbeit wird darin gesehen, die Beziehungen zwischen klinischen Befunden und der psychoanalytischen Überich-Theorie darzustellen. Um die verschiedenen Abwehrmechanismen und Anpassungsmethoden klarer hervortreten zu lassen, wird ein Stück Psychologie des Massenmörders hinzugefügt. Es dürfte schließlich zur weiteren Klärung des psychoanalytischen Standpunktes beitragen, wenn die Unterscheidung zwischen „neurotischer“ und „existentieller“ Schuld abgelehnt wird.
Die psychoanalytischen Untersuchungen des Überichs, auf Frends Arbeiten (11-15) fußend, haben sich in den letzten Jahren vor allem mit den Vorstufen des Überichs befaßt (1, 17, 28, 30, 32). Wunscherfüllung und magisches Denken, verknüpft mit Omnipotenzvorstellungen, können schon bei Zweijährigen beobachtet werden. Die in diesem Alter stattfindende Idealisierung des Selbst, und später der Eltern, sowie deren Imitation wurden als Vorstufen des Ich-Ideals erfaßt, während das Sich-fügen und die Identifizierung mit dem Angreifer Vorstufen des Gewissens darstellen.
Die SS-Wachen wurden häufig zu Verkörperungen des Elternideals erhoben, mit denen sich die Häftlinge zu identifizieren suchten und die sie zeitweise imitierten (2, 5). Auf Grund der vollständigen Zurückweisung und Frustrierung, im Verein mit der zuvor erfolgten Entwurzelung und brutalen Trennung vom engen Familienverband u